Mit Charme überzeugen
Rhetorik-Ratgeber boomen mit Tricks gegen Blackouts, Lampenfieber und Langeweile im Publikum.
Die Rede ist gut vorbereitet. Trotzdem zittern die Stichwort-Karten
in Ihrer Hand und das Publikum langweilt sich. Präsentationen, kurze
Eröffnungsreden oder Vorträge – es gibt kaum einen Beruf, der ohne
Rhetorik-Fähigkeiten auskommt. Entsprechend boomen die Ratgeber, wie
man an einem lebendigen Auftritt arbeitet. Einen schnellen Überblick
findet man im Taschenguide Rhetorik von Wolfgang Mentzel (Haufe, 7,1 €) oder bei Gudrun Fey in Reden macht Leute (Walhalla, 10,3 €). Die Autorin zeigt etwa wie man Blackouts
überspielt. Sie empfiehlt, den letzten Gedanken mit „Um es noch einmal
zu sagen“ zu wiederholen. Geht nichts mehr, kann man sich ach an das
Publikum wenden, ob es Fragen gibt.
STILLE Was man tut, wenn plötzlich Stille eintritt, findet man in 50 Mal Rhetorik von
Ralf Höller (Orell Füssli, 24,7 €). Er schildert 50 Schwierigkeiten
alltäglicher Redesituationen wie man diesen am besten begegnet. Will
etwa trotz längerer Wartezeit partout keine Reaktion aus dem Publikum
kommen, können Fragen des Redners dazu animieren: „Welche Informationen
brauchen Sie noch? Wo hatten Sie Verständnisprobleme? Hilft auch das
nicht, ist Provokation durch den Redner gefragt: „Ich freue mich, dass
mein Vortrag so gut angekommen ist und alle Anwesenden überzeugt habe.“
Andere Rhetorik-Handbücher fokussieren auf bestimmte Zielgruppen.
Sprachkompetenz für Techniker vermittelt etwa das Buch Sicheres Auftreten für Ingenieure im Vertrieb von Dirk Preussner (Gabler, 27,7 €). Die zahlreichen Frauen-Rede-Bücher wie Rhetorik für Frauen von Barbara Schlüter (Redline, 13,3 €) konzentrieren sich vor allem
darauf, Frauen mehr Selbstsicherheit sowie den Mut zu Kritik und zum
Konflikt zu geben. Den Fokus auf Führungskräfte setzt Baldur Kirchner
in Rhetorik für Manager (Gabler, 38 €). Auf Haltung, Gestik und
Gesichtsausdruck legt der Autor genauso Wert wie auf Sprechen (Atmung,
Artikulation, Lautstärke) und Rede-Aufbau.
Mit den neu erschienenen Trainingsbüchern, kann daran gleich geübt werden. Die Rede-Diät (Residenz,
19,9 €) von den Kommunikations-Expertinnen Tatjana Lackner und Nika
Triebe umfasst ein 21-Tage-Programm mit Rezepten zum Frühstück, Mittag-
und Abendessen. Gearbeitet wird an verstecktem Fett durch
Wiederholungen oder zu vielen Äh’s, an relativierenden Füllwörtern wie
„sozusagen, einfach oder irgendwie“ sowie mit Atem-Übungen für die
Stimme.
ÜBEN Wolfgang Bilinski präsentiert dem Leser in Rhetorik. Das Trainingsbuch (Haufe,
19,8 €) nach einem kurzen Einführungskapitel 20 Redesituationen von der
Eröffnungs- bis zur Projekt-Fortschritts-Rede. Die Musterlösungen samt
Anmerkungen können zwar den Aufbau der Rede erleichtern. Für einen
lebendigen Vortrag ist aber mehr gefragt, als auswendig gelernte Sätze.
Sonst driftet das Publikum wieder in die Langeweile ab.
REDE-TIPPS
- Planen Sie den Schluss zuerst: Das Ende einer Rede zeigt, ob das Ziel erreicht wurde.
- Beziehen Sie die eigene Person mit ein. Auch Zitate, Beispiele und Anekdoten machen den Vortrag lebendiger.
- Mentale Vorbereitung: Denken Sie an positive Dinge.
- Suchen Sie während der Rede den Blickkontakt mit allen Zuhörern.
- Beginnen Sie nie mit einer Entschuldigung
- Interesse weckt man etwa mit „Wussten Sie schon, dass …?“
- Sprechen Sie nicht zu schnell und machen Sie Pausen.
- Ist der rote Faden einmal gerissen, kann man mit „Eigenregiefragen“ (Nika Triebe) wieder anknüpfen: „Gerade habe ich darüber gesprochen, dass …“ oder „Was ist jetzt besonders wichtig?“
- Hände in Hosentaschen sind tabu. Je aktiver die Gestik, desto lebendiger wirkt der Vortrag. Ellbogen sollten nicht am Körper kleben.
- Setzen Sie einen klaren Schlusspunkt, um noch einmal das Ziel der Rede zu verdeutlichen.



