Politische Korrektheit sollte heute selbstverständlich sein. Doch
übertriebene moralinsaure Formulierungen mit dem abgespreizten kleinen
Finger nerven. Sinti, Roma, Jenische, Lowara … wollen nicht mehr
„Zigeuner“ genannt werden. Das gleiche gilt für Inuit, die keine
„Eskimos“ sind. Redewendungen dieser Art, die ein Volk denunzieren,
sind in einer multikulturellen Welt wenig hilfreich.
Natürlich gibt es in der Literatur noch viele Relikte: So wurden Worte
verwendet, die aus heutiger Sicht wertend klingen, damals jedoch
keineswegs abfällig verwendet wurden. Auch in der Kulinarik gibt es
noch jede Menge politisch unkorrekte Bezeichnungen. Wenig sinnvoll ist
es aber aus „Mohr im Hemd“ den „Afrikaner mit Schlagobers“ zu machen.
Die Befürworter der sprachlichen Korrektheit müssen sich natürlich auch
jede Menge Kritik und Spott gefallen lassen.
In der Wirtschaft findet sich die martialische Wortwahl immer
häufiger. Wie kriegerisch die Formulierungen auch sind, zumindest einen
Zweck erfüllen sie: Bilder werden transportiert. Optimal ist natürlich,
wenn die bildhafte Sprache nicht nur aus Kriegsvokabeln besteht – z.B.:
„Die Grabenkämpfe zwischen den Firmenfronten verhärten sich“, „Er ist
ins feindliche Lager übergelaufen und arbeitet nun bei der Konkurrenz.“
Bei Worten wie „Zielscheibe“, „Dolchstoß“ oder „Kanonenfutter“ sind die
martialischen Wurzeln deutlich. Die hohe Zahl an „Wortfunden“ zeigt die
Verwurzelung unserer Sprache in der historischen, aber in der modernen
Wehrkultur. „etwas im Schilde führen“ oder „für jemanden eine Lanze
brechen“ sind Zeugen von bis ins Mittelalter zurückreichender Ausdrücke.



