Buchtipp: "Das Bonus Geheimnis"
Tatjanas Lieblingsgeschichte aus dem neuen Buch von Martin Sutter:
Genau so hat es sich Burgener vorgestellt. Ganz zum Schluss der Sparsitzung SLIM, wenn alle schon dabei sind, ihre Unterlagen bündeln,und Frau Ebner das Fenster aufreißt, sagt er: „ Ach, und übrigens, ich verzichte ab sofort auf zehn Prozent."
„Zehn Prozent wovon?", fragt Bräm.
Burgener steht jetzt auf undschiebt seinen Sessel an die Tischkante. „Meines Gehalts, natürlich. Danke, meine Herren." Er verlässt mit elastischen Schritten das Sitzungszimmer, ist eine Minute später im Büro und wartet auf den ersten Anruf.
Der lässt über zwanzig Minuten auf sich warten. Und - zweite Überraschung - ist nicht von Bräm, sondern von Griesser. „Ist das Teil von SLIM?", erkundigt der sich. Er klingt besorgt.
„Nicht offiziell", beruhigt ihn Burgener, „es ist mehr einfreiwilliger Beitrag. Als Beweis dafür, dass ich nicht nur Opferverlange, sondern auch bereit bin, selber welche zu erbringen."
„Chapeau!"
„Aber bitte nicht an die große Glocke, ja?
Der Erste, der persönlich bei ihm vorspricht, ist Hegner, dieser Schleimer. Er habe übers Wochenende die Sache mit Anni besprochen, und sie seien zum Schluss gekommen:
Doch, ja, selbst bei allen Belastungen durch den Hausbau und die schulischen Probleme des Mittleren - zehn Prozent, das müsse irgendwie zu schaffen sein. Sie hätten in ihrem Haushaltsbudget ein paar Streichpositionen gefunden, vornehmlich im Freizeit- und Ferienbereich.
Burgener nimmt das Opfer unter Protest an und dankt Hegner im Namen des Gesamtunternehmens und der Aktionäre.
Am nächsten Tag stürmt unangemeldet Locher in Burgeners Büro. Er kommt sofort zum Punkt: Er finde Burgeners Geste bewunderungswürdig, sehe sich aber außer Stande nachzuziehen und bitte dafür um Verständnis.
Burgener wehrt ab. Auf keinen Fall habe er mit seinem Lohnverzicht Druck auf das Management machen wollen. Es sei auch nicht soaufgenommen worden - außer Hegner sei bisher niemand seinem Beispiel gefolgt.
Es dauert keine Stunde, bis Knabenhans auftaucht. Knabenhans ist Hegners heißester Konkurrent im Rennen um die Nachfolge von Bräm (falls das Gerücht stimmt, dass dieser an die Zentrale versetzt wird). Locher muss ihm brühwarm von Hegners Lohnverzicht erzählt haben. Er bietet Burgener zwölf Prozent an. Burgener begnügt sich mit zehn.
Am gleichen Nachmittag wird er von Bräm auf dem Korridor gefragt, ober heute Zeit für einen Aperitif habe. Sie verabreden sich im „RedHorse". Dort erklärt ihm Bräm bei einem Campari, weshalb er mit diesem Lohnverzicht ein falsches Zeichen setze. Beim dritten Campari verzichtet er dann seinerseits auf zehn Prozent.
Von jetzt an geht es schnell. Noch ehe die Woche um ist, hat Burgener das Management (minus Locher), die erweiterte Geschäftsleitung und die Abteilungsleiterkonferenz im Boot. In der folgenden Woche melden sich die ersten Freiwilligen aus der Prokuristenebene. Diesem Druck hält auch Locher nicht stand und schließt sich - ausdrücklich auf ein Jahr beschränkt - der Bewegung an.
Bei Monatsende ist Burgeners Lohnverzicht von 63 000 brutto auf eine Personalkosteneinsparung von 930 000 plus Lohnnebenkosten angewachsen.Das Filetstück von SLIM.
Eine Performance, die Burgener von der Konzernleitung mit einem Zusatzbonus von 250 000 honoriert wird.
Martin Sutter, Das Bonus Geheimnis
Diogenes Verlag 2008, Preis: € 18,90
ISBN: 978-3-257-06712-5
Buchtipp: „Sind Sie öfter hier?"
Aller Rede Anfang
Wir können uns einbilden, attraktiver auszusehen, wenn wir dem einen oder anderen Modehinweis folgen.
Wir können auch lernen, raffinierter zu kochen, anmutiger die Treppen zu steigen oder tiefer in die Ferne zu reisen. Unsere Gesellschaft und Wirtschaft offeriert ihren Subjekten mannigfaltige Möglichkeiten, ein gefälliges Bild ihrer selbst zu entwerfen oder entwerfen zu lassen.
Aber nachdem scheinbar alles gerichtet ist, die Frisur, die Bügelfalte, die Tischblumen, nachdem der Personal Trainer fürstlich entlohnt, das Aftershave gewandt einmassiert wurde, kommt es unweigerlich zu einer Situation, auf die uns keine herkömmliche Erziehung vorbereitet hat, eine Konstellation, für die jeder brauchbare Ratgeber fehlt. Wir müssen den Mund aufmachen und ein Gespräch führen.
Ein Gespräch!
Tilmann Spengler, „Sind Sie öfter hier?"
Ullstein Verlag 2008, Preis: € 18,--
ISBN: 978-3-550-08768-4
Timothy Ferriss
Die 4-Stunden Woche
Nicht erst seit Beginn der Krise fragen sich viele: Warum arbeiten wir uns eigentlich zu Tode? Haben wir nichts Besseres zu tun? Und ob! - sagt Timothy Ferriss. Der junge Unternehmer war lange genug ein Workaholic mit 80-Stunden-Woche. Doch dann hat es bei ihm Klick gemacht. Seitdem praktiziert er MBA - „Management by Absence" - und rührt damit an ein Tabu. In vielen Unternehmen gilt schließlich immer noch die Formel: Je länger man im Büro rumhängt, desto wichtiger ist man. Ferriss dagegen ist überzeugt: Jeder sollte und kann sich im Job rar machen - und wird dadurch freier, reicher und glücklicher.
Mit viel Humor, provokanten Denkanstößen, ermutigenden Fallbespielen und erprobten Tipps erklärt Ferriss, wie sich die 4-Stunden-Woche bei vollem Lohn verwirklichen lässt: Lesen Sie Ihre E-Mails nur noch einmal die Woche und machen Sie eine Informationsdiät! Auch Outsourcing, Delegieren und das konsequente Aussitzen von Problemen sind der erste Schritt in die persönliche Freiheit.
Auf You tube transportiert der Autor wenig Sympathiepunkte, dem Buch hingegen werden bestimmt mehr Menschen etwas abgewinnen können.
Econ Verlag, 2008
ISBN: 343-0-2005-12
Preis: € 17,40
Tatjana Lackner
Direktorin der Schule des Sprechens
The Big Idea
With The Big Idea, Donny Deutsch has written the must-have guidebook for aspiring entrepreneurs everywhere. Illustrated by inspirational stories from the regular people who have achieved their dreams (and appeared on Donny's hit CNBC show) after starting with little more than a brainstorm, The Big Idea draws the map to take you from wherever you are now - looking for some extra income, in a job you don't love, or just ready for a change - to where you've always wanted to go: in charge of your own fate.
In addition to twenty-one chapters covering every step, from Breaking Out of the Box to the Gut Check Moment to Making Trade Show Magic, The Big Idea also features:
- Your Big Idea Blueprint (a twelve-step road map to launching your business);
- The Big Idea Toolbox (extensive resource tips, highlighted throughout, and in an all-in-one appendix);
- dozens of bid idea lessons, and much more!
As Donny always says, "There's gotta be a better way!" The Big Idea will help the entrepreneur in everyone find their own better way.
Hyperion Books, 2009
ISBN: 978-1-4013-2321-9
Preis: € 21,99
Bettina Schinko
Sprechtechniktrainerin
Stimmtraining - live
ist ein praktisches Arbeitsbuch für stimmliche Auftritte wie Kundengespräche, Verkaufsgespräche, Call-Center, Meetings sowie Präsentationen.
Die Beispiele auf CD sind von 18 Schauspielern unterhaltsam gesprochen. Anno Lauten führt immer zuerst das Negativbeispiel an, analysiert es und lässt uns dann hören, wie es besser klingt. Durch die Alltagssituationen sind diese Beispiele sehr praxisnah. Ich setze gern so ein Negativbeispiel im Unterricht ein, um hörbar zu machen, wie unangenehm ein Räuspern oder eine enge Stimme ist. Im Anhang birgt das Buch viele Übungen zur Befreiung der Stimme und Verbesserung des Stimmflusses. Die Anti-Nuschel-Übung bringt den sofortigen Effekt, dass der Sprechschüler im Fluss bleibt:
Zitat:
Anti-Nuschel-Übung, Dauer ca. 3 - 5 Minuten
Im Vergleich zum Deutschen erscheint die italienische Sprache sehr melodiös, sehr klingend: Kein Wunder, fast jedes Wort endet mit einem Vokal. Vielleicht kennen Sie einen Italiener(in): Hören Sie Sich einmal genau an, wie er oder sie Deutsch redet. Dabei hört man einen angehängten, offenen Vokal: Ein(ä) Schrank, Regal(ä), Heizung(ä), und(ä) ein(ä) Klavier(ä). Lesen Sie nun laut aus diesem Buch vor und versuchen Sie, Sich vorzustellen, an jedes Wort einen offenen Vokal anzuhängen. Nicht aussprechen, nur vorstellen. Merken Sie, wie Sich bei jedem Wort die Stimme wie von selbst öffnet?
Anno Lauten
ISBN: 3-448-07279-6
Nika Triebe
Rhetroiktrainerin
Wer bin ich - und wie viele?
ISBN 978-344-2311-439-52
Richard Davis Precht, Goldmann Verlag, 15,-- Euro
Es gibt viele Formen des Reisens, doch uns selbst nehmen wir immer mit. „Wenn schon, dann richtig!", denke ich mir und empfehle Ihnen für den Urlaubsmonat August eine nicht ganz leichte Lektüre. Auf beinahe 400 Seiten beantwortet Richard David Fragen des Seins und Werdens. Ja, es handelt sich um eine philosophische Reise! Eine Reise ins Ich. Von der Hirnforschung über die Psychologie zur Philosophie bringt Precht uns dabei auf den allerneusten Stand. Wie ein Puzzle setzt sich das erstaunliche Bild zusammen, das die Wissenschaften heute vom Menschen zeichnen.
In kurzen Kapiteln streift er mit Leichtigkeit die Philosophen der Vergangenheit, pickt heraus, was auch für uns noch Gültigkeit hat. Man muss jedoch nicht Kant, Spinoza oder Schopenhauer im Original gelesen zu haben, um zu verstehen.
Die FAZ zerreißt den jungen Philosophen - und wieder ein Grund, um mehr als nur den Klappentext zu überfliegen. Immerhin mit 300 000 verkauften Exemplaren in den letzten 10 Wochen, hat Richard David Precht eine Marktlücke für sich erschlossen. Tausende Menschen scheinen auf der Suche nach Antworten auf die Kernfragen des Seins: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Warum bin ich? Und die ganz Unersättlichen wollen auch noch erfahren, ob Glück lernbar ist.
Lesen Sie und Sie werden mehr wissen. In wieweit Sie das glücklicher macht? Nun, das kann ich nicht versprechen, doch vielleicht verstehen Sie sich mit sich selbst ein wenig besser, wenn Sie wieder auf Reise gehen ...
Tatjana Lackner
Direktorin der Schule des Sprechens
Die Google Falle
Die unkontrollierte Weltmacht im Internet
ISBN 978-3-8000-7323-8
Gerald Reischl, Verlag Ueberreuter, 19,95 Euro
Sobald ein Computer-Nutzer einen Begriff in die Suchmaschine Google eingibt, beginnt die Google-Maschinerie zu arbeiten. Und damit auch ein Netzwerk von Server-Zentren und Datenbanken, das Suchanfragen von 700 Millionen Google-Usern speichert und verknüpft.
In dreizehn Kapiteln wird an Hand von Fakten bewiesen, dass Google nicht mehr (nur) die kunterbunte, freundliche Firma, sondern der eifrigste Datensammler der Welt ist. Kurier-High-Tech-Experte Gerald Reischl versucht in seinem neuen Buch "Die Google-Falle" nach neun-monatiger Recherche die wahren Absichten des Konzerns Googles zu Tage zu fördern. Google will - laut Reischl - zum größten Händler und Archivar von Informationen werden, den Werbemarkt dominieren, drängt ins Telekom-Business und in die Genforschung. "Die Google-Falle" zeigt auch auf, welche Versäumnisse Europa gemacht hat und warum sich hier das Problem-Bewusstsein rascher entwickeln sollte.
Manchen Lesern wird auf den ersten 40 Seiten eher Lust auf die Googlewelt gemacht. Für österreichische Verhältnisse klingt vieles, was Reischl als gefährlich beschreibt, eher wie ein anstrebenswerter Arbeitsplatz im Hollywoodfilm. Die Frage, was all das mit dem User beim „Googeln" zu tun, bleibt unbeantwortet. Okay, wir bekommen mehr Werbung und irgendwo hortet jemand irgendwelche Infos über uns. Na, und? Reischl besticht durch süffigen Schreibstil und es macht insgesamt großen Spaß das Buch zu lesen, wenn man Einblick in amerikanische Konzerne erhalten möchte.
Nikolaus Riemerschmid
Abteilungsleitung Stimm-Modulation
Speak German! Warum Deutsch manchmal besser ist
Wolf Schneider, der "Großmeister" der deutschen Sprache, hat ein neues Buch verfasst: "Speak German!" Dieses Buch ist eine entschiedene Liebeserklärung an unsere Muttersprache - gedacht für alle, denen sie nicht egal ist. Sein Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass 60 Prozent der Deutschen kein Englisch verstehen und nur 10 Prozent sich sicher in dieser Sprache bewegen können. Das bedeutet, dass eine Vielzahl der "Slogans" und "Claims", die über Werbeagenturen verbreitet werden, nicht oder nur missverständlich ankommen. Die Übersicht von zurückgezogenen Werbesprüchen großer Konzerne gehört dabei zu den komischsten Passagen des Buches. So wurde Mitsubishis Schlagwort "Drive alive" (gemeint war "Lebendiges Fahren") nur von 18 Prozent der Bevölkerung richtig übersetzt; häufige Interpretationen lauteten: "Lebend ankommen" bzw. "Überlebe die Fahrt." Inzwischen hat das Unternehmen umgeschwenkt auf: "Heute. Morgen. Übermorgen."
Haben wir das wirklich nötig: all diese Anglizismen? Wäre weniger nicht mehr? Und ob, sagt Wolf Schneider. Vor zwei Jahren hat er die Aktion "Lebendiges Deutsch" mitbegründet, um das Deutsche mit frischen Worten zu beleben: Startuhr statt Countdown, Schnellkost statt Fastfood, Aktionärsnutzen statt Shareholder-Value. Mit gewohnter Leichtigkeit und Klarheit wendet sich Wolf Schneider in diesem Buch gegen die grassierende Anglo-Manie, gegen die Affenliebe zum Englischen und nur gegen sie: "Müssen wir es denn den Sprüchemachern der Werbung und ein paar globalisierungs-besoffenen Unternehmen überlassen, wie die deutsche Sprache sich entwickelt? Entwickeln wir mit!"
Nika Triebe
Rhetorik
Frischwasser für die Gehirnzellen!
Manifest des Evolutionären Humanismus
Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur
Michael Schmidt-Salomon
Alibri Verlag, Aschaffenburg
kartoniert, Euro 10,--
ISBN: 3-86569-011-4
Wir leben in der Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde.
Fest steht: Eine Menschheit, die das Atom spalten kann und über Satelliten kommuniziert, muss die dafür erforderliche Reife besitzen.Die Tatsache, dass sich bestimmte Personen durch das Aufstellenun antastbarer Spielregeln jeglichem kritischen Zugriff entziehen, kann verheerende Folgen haben! Eigene Denkfehler bleiben unhinterfragt und schreiben so die Zukunft fort. Darum lautet eines der Gesetze:Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!
Das Buch ist einerseits eine kritische Liebeserklärung an den „Affen inuns", andererseits ein entschiedenes Plädoyer für eine „alternativepolitische Leitkultur", die auf die besten Traditionen vonWissenschaft, Philosophie und Kunst zurückgreift.
Dieses Buch ist für mich eine wunderbare Gelegenheit das neue Jahr mit frischen Gedanken zu starten. Voraussetzung dafür: Stille, denn es ist durchaus anspruchsvoll geschrieben und Freude am Hinterfragen von Dogmen. Das Ergebnis: Reichlich Gesprächsstoff für kontroversielle Diskussionen.
Tatjana Lackner
Direktorin
Die Israel Lobby
Wie weit geht die Solidarität mit Israel?
Seit seiner Gründung wird Israel von den USA und - aus begreiflichen historischen Gründen - Deutschland politisch und wirtschaftlich unterstützt. Diese Unterstützung erfolgt weitgehend bedingungslos und in einem Ausmaß, das kein anderes Land der Welt genießt. Was sind die Gründe hierfür? Liegt es an Israels großer strategischer Bedeutung für die USA? Oder sind es moralische Argumente? Keine dieser Erklärungen hält einer Überprüfung stand. Der wahre Grund ist die politische Macht der Israel-Lobby. Deren stärkste Waffe: Der Vorwurf des Antisemitismus gegenüber denen, die es wagen, sich kritisch zu äußern.
Die renommierten Politikwissenschaftlicher und Experten für Internationale Beziehungen, John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt, hinterfragen die uneingeschränkte Solidarität mit fundierter Kritik und fordern eine aufrichtige Debatte.
Campus Verlag, 2007
ISBN: 978-3-593-38377-4


