Meinung als „ethisches Produkt"

von Tatjana Lackner

Unsere Welt ist komplex. Das Dickicht der fortschrittlichen Erkenntnisse, Innovationen und Errungenschaften scheint undurchdringlich. Dahinter sind die Meinungen des Einzelnen vielerorts in Dornröschenschlaf gefallen. Die häufigsten Ausreden zu aktuellen und politisch relevanten Themenstellungen, die wir auch im Trainingsalltag hören, sind: „Das kommt darauf an...!", „Dazu fällt mir nichts ein.", „Darüber weiß ich zu wenig." Die eigene Meinung wird von der Situation und vom Gesprächspartner abhängig gemacht und ist so wechselhaft wie das Wetter im April. Doch die persönliche Meinung jedes Einzelnen ist gefragt! Demokratie braucht schließlich Standpunkte. Von den Bürgerrechten machen viele gerne Gebrauch, die Bürgerpflichten hingegen werden stiefkindlich vernachlässigt. Wer sich nicht informiert, nicht wählen geht, politische Strukturen kaum hinterfragt, etc. beraubt sich selbst um Gestaltungsmöglichkeiten. Politikverdrossenheit und das Gefühl der Ohnmacht machen sich breit und schnell hört man Sätze, wie: „Die da oben machen doch eh was sie wollen!". „Da kann ich als Einzelner doch gar nichts daran ändern."

Die Erkenntnis, dass Volksvertreter das Volk vertreten und allesamt von uns gewählt werden, vergessen wir alle gerne. Das gefährlichste für die Demokratie ist, wenn Menschen zu faul werden, um sich ihre eigene Meinung zu bilden und an das Kollektiv die Gestaltungsschuld abwälzen. Manchen ist es auch peinlich ihre Ansichten laut zu vertreten, wenn das nicht opportun scheint. Wer seine Meinung offensiv vertritt, gilt schließlich als unbequem.

Meinungbildner & öffentliche Zerstäuber
Erst, wenn Meinungsbildner das Medienparkett betreten, formt sich langsam die Haltung der Menschen, die nicht im Scheinwerferlicht stehen. Die „Sager" und O-Töne der Identifikationsfiguren aus Politik, Wirtschaft und anderen medienwirksamen Branchen werden von Bürgern gerne und rasch übernommen. Oft völlig verkürzt und willkürlich zusammengemischt, entsteht so statt Überzeugung indifferenter Glauben.

Das Bewusstsein für ethische Erfordernisse kann nur dort geschaffen werden, wo Meinungsbildung und Kommunikation großgeschrieben und trainiert werden. Sowohl der mikrokosmische Zugang, als auch die makroökonomische Betrachtungsweise sind für eine intakte Gesellschaft erforderlich. Viel stärker sollten neben den öffentlichen Bildungsträgern auch Plattformkulturen gefördert werden. Hier geht es um aktuelle Fragestellungen wie:

  • Wie sehen sinnvolle Lebensstile aus, die für nachfolgende Generationen Vorbildwirkung und Chancen bieten?
  • Was sollten die internationalen Gestaltungsträger dieser Welt abseits von ökonomischen Themen lieber heute als morgen besprechen?
  • Wie könnte ein geeintes Europa aussehen, das sich eher auf ökologische, denn rein wirtschaftliche Themen fokussiert?

Diese Bewusstseinsbildung - auch und vor allem durch Wirtschaftstreibende - wäre essentiell für ein gesundes Weltklima. „Gesund" bezieht sich in diesem Zusammenhang auf politische, gesellschaftliche, aber auch umwelttechnische Nachhaltigkeit. Nach Fukushima, welche Strukturen bzw. Umdenkprozesse sind für unseren Planeten erforderlich?

Der schnelle Politikeralltag zeigt jedoch deutlich, dass Volksvertreter gerne Meinungen transportieren, deren Formulierung nicht länger gedauert hat als die Gedankenfindung dahinter. Experten werden verkürzt zitiert. Die politische Rhetorik vieler Staatsmänner ist auf Überreden und nicht auf Überzeugen ausgerichtet. Oft verwechseln Menschen vorgeschriebenen PR-Beteuerungsarien mit wissenschaftlich fundierten Argumenten. Der deutsche Kabarettist Dieter Nuhr hat Recht, wenn er postuliert: „Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss aber nicht. Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal die Fresse halten. Das ist mir ganz wichtig, dass sich das mal herumspricht."

Fazit: Meinungen unterscheiden sich erst dann von banalen Behauptungen, wenn sie nachvollziehbar begründet werden! In der Schule des Sprechens kümmern wir uns deshalb nicht nur um die geschliffene Rhetorik, sondern vor allem um Inhalte. Wir geben öffentlichen Rednern sprachliche Strukturen UND gedankliche Hinweise für schlüssige Argumentationen.


Aktuelle Ausstellung 2010/11

"Kommunikationskreise": in der Bank Austria, Wiedner Hauptstraße 65, 1040 Wien

täglich: Mo-Fr, zu Banköffnungszeiten

Dauer: 16. November 2009 bis 1. August 2011 (wurde zum 2. Mal auf Wunsch verlängert)

Ab 1. August sind dann Tatjanas neue Fotos in der Bank Austria zu sehen. Die Fotosafaris nach Cannes, New York und Florida bilden die Grundlage.


Reden und andere Bullshit-Bingos

Bereits zum siebten Mal lud ikp Wien am Donnerstagabend zum kom.update in die Wiener Liechtensteinstraße und sorgte mit einem besonders sprachgewandten Gast für einen Besucheransturm: Über 100 Gäste aus Wirtschaft und Medien lauschten Tatjana Lackner, Kommunikations-Profilerin und Direktorin der SCHULE DES SPRECHENS. In dynamischen Vortrag gab die Gesprächsstrategin praktische Tipps für die schlanke und inhaltsstarke Rede und erklärte ihren Zuhörern die Pocket-Rhetorik.

„30 Sekunden genügen für den ersten Stimm-Eindruck. Es wird hörbar, wer wir sind, wofür wir stehen und wofür wir uns halten", erklärt Tatjana Lackner. Anhand praktischer Beispiele erklärte die Top-Trainerin von Führungskräften und renommierten Unternehmen wie Redner ihre Zuhörer schon in der ersten halben Minute hungrig auf mehr machen und sprachliche „No-Go's" vermeiden können.

„Klare und präzise Botschaften sind natürlich gerade in unserer Branche das A und O", so Maria Wedenig, Agenturleiterin von ikp Wien. „Egal, ob es sich im Beruflichen um Klienten, Geschäftspartner und Mitarbeiter oder im Privaten um Freunde und Familie handelt: Wir wollen richtig verstanden werden. Wer bildhaft und knackig kommuniziert, hat die Nase vorne."



Bildquelle: ikp.at


Wussten Sie schon, dass ...

 

... sich ein Frosch erbrechen kann? Er erbricht zuerst seinen Magen, so dass dieser aus dem Mund hängt. Dann benutzt er seine vorderen Beine, um den gesamten Mageninhalt zu entfernen und schluckt den Magen dann wieder hinunter.

... Tel Aviv übersetzt „Frühlingshügel" heißt?


... der längste noch gebrauchte Ortsname Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu ist, ein neuseeländischer Berg?


Bildquelle I, Bildquelle II, Bildquelle III


Tatjana Lackner im Parlament

Die Polit-Profilerin analysierte die Neuzugänge der ÖVP auf der Regierungsbank. Wie gestaltete sich die politische Rhetorik vergangenen Donnerstag im Parlament? Tatjana Lackner war im Einsatz für:

 

(Pdf download, 9 MB)


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