Mit guter Sprechtechnik ins neue Jahr

Sie haben noch keine Vorsätze? Wie wäre es mit besser verstanden zu werden? Gerne bieten wir Ihnen sprechtechnische Übungen für den Alltag. Viel Spaß mit unseren kleinen Sprech-Vorsätzen:

1. Vorsatz - stimmlich vital und kraftvoll in das neue Jahr

  • Gleich morgens beim Aufwachen lockern Sie ordentlich den Kiefer: Gähnen, Kiefer klappern, Kaubewegungen,...
  • Unter der Dusche summen Sie sanft auf mmm oder www
  • Vor dem Spiegel sprechen Sie Worte mit „a", zum Beispiel: Zahn, Bad, Ja, Saal, Wanne, Tag... Achten Sie darauf, dass Ihr Kiefer mindestens eine Daumenbreite weit geöffnet ist.
  • Beim Anziehen tönen Sie in verschiedenen Tempi „ffft" und „scht"
  • Beim Frühstück lesen Sie einen Artikel aus der Morgenzeitung laut vor und achten darauf, dass Sie während des Lesens begreifen, um was es geht.

2. Vorsatz - deutlich gesprochen ist halb überzeugt

  • Sie haben gleich eine Besprechung, Ihr Gesprächspartner verspätet sich.
  • Sprechen Sie tonlos, das heißt ohne Stimmklang, die bevorstehenden Themen für sich durch. Sie formen die Worte im Mund, mit der Zunge und dem Gaumen. Lassen Sie sich viel Zeit langsam und genau zu artikulieren, ohne zu grimassieren. Die Deutlichkeit erhöht sich danach beim freien Sprechen merkbar.

3. Vorsatz - stimmlich anspruchsvoller werden

  • Es schneit. Sie stehen im morgendlichen Stau: Stellen Sie das Radio ein. Hören Sie den verschiedenen Sprechern auf den einzelnen Sendern aufmerksam zu. Welche Stimme gefällt Ihnen? Wem hören Sie gerne zu? Und warum? Schulen Sie Ihr ästhetisches Bewusstsein. Wie wollen Sie selbst gerne sprechen?

Nika Triebe
Abteilungsleitung Rhetorik, Lehrgangsleitung Train the Trainer

Sprechen - eine wahre Hirnleistung

Die Hirnforschung und die Neurowissenschaft gehören zu den bahnbrechenden Disziplinen der Gegenwart. Viel weiß man inzwischen darüber, wie Zellen kommunizieren, welche Hirnbereiche bei bestimmten Tätigkeiten aktiv sind und wie sie vernetzt sind.

Uns interessieren natürlich ganz besonders die Areale, die in direktem Zusammenhang mit Sprache stehen. Warum sprechen Menschen, Schimpansen aber nicht? Am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie kommen die Wissenschaftler zum Schluss: Die Ausbildung des Sprechapparates, spielt dabei keine wesentliche Rolle.

Der entscheidende Unterschied liegt vermutlich in einer Variante des sogenannten FOXP2-Gens. Ist es beim Menschen beschädigt, können sich Artikulation und Sprachverständnis nur eingeschränkt entwickeln. Im Genversuch mit Mäusen ist klar geworden, dass motorische Kontrolle und das Lernen von Sprache offensichtlich zusammenhängen.

Der Evolutionsgenetiker Wolfgang Enard sagt zur Sprachentwicklung: "Der Kehlkopf ist beim Menschen weiter herunter gewandert, was es uns vermutlich leichter macht, zwischen verschiedenen Vokalen Laute zu bilden. Im Prinzip spricht aus anatomischer Perspektive aber nichts dagegen, dass auch ein Schimpanse sprechen kann. "

Immerhin sind auch Affen in der Lage, Begriffe und Symbole miteinander zu verknüpfen und bis zu 200 Begriffe zu lernen. Sind Mensch und Tier einander wirklich so ähnlich? Enard sagt dazu: "Qualitative Unterschiede zwischen den Menschen und unseren nächsten Verwandten haben sich bei genauerem Hinsehen immer als quantitative Unterschiede herausgestellt." Somit sind unsere Eigenschaften zu einem Teil schon in unseren Vorfahren angelegt. Wir haben nur einfach mehr davon und das schafft Vorteile!

Der Evolution des Sprechens kommen die Forscher langsam auf die Spur.

Zwei Areale spielen bei der Sprachverarbeitung eine zentrale Rolle: das Broca-Areal und das Wernicke-Areal. Beide wurden der linken Hirnhemisphäre zugeordnet. Inzwischen ist bewiesen, dass Sprache nicht nur in der linken Hirnhälfte verarbeitet wird.

Bei der Sprachverarbeitung kommunizieren die Hirnhälften miteinander. Dabei wird die Klangfarbe der Sprache rechts gefördert, während die eher analytischen Aspekte der Sprache links verarbeitet werden. Die Kommunikation dieser Gehirnhälften kommt primär über die Kommissur zustande, die beide Gehirnhälften verbindet."

Sprache ist eine Hochleistung, an der das ganze Gehirn mit parallelen Netzwerken arbeitet. Nehmen wir zum Beispiel den Satz: "Der Mann sagt, die Frau kann nicht Auto fahren." Innerhalb von weniger als 200 Millisekunden werden Aspekte der Sprachmelodie in der rechten Hirnhemisphäre verarbeitet. Denn es könnte ja auch das Gegenteil gemeint sein: "Der Mann, sagt die Frau, kann nicht Auto fahren." Parallel dazu wird die Syntax, also die Grammatik des Satzes, in der linken Hirnhemisphäre, im Broca-Areal analysiert.

Fazit: Denken während des Sprechens - unerlässlich!

Mehr dazu: http://www.3sat.de/mediathek/?obj=10304


Atmen für Fleißige 3:
Übungen für zu Hause und die Wildnis, genannt Alltag

Atmen ist bewusste Körperarbeit. Nehmen Sie sich also für das Üben Zeit, Raum und Ruhe.

Mit der Zeit ist Ihr Körper konditioniert, das Umschalten vom Alltagsbewusstsein ins Körperbewusstsein geht rascher. Um auch fit für den Alltag zu sein, ist es sinnvoll, auch dort zu üben. Gerade dort, wo es am Schwierigsten ist, lernen Sie am Besten sich zu konzentrieren. Schließlich dienen die Übungen im geschützten Rahmen dazu, sich für den Alltag zu wappnen.


Thema
„Ich blähe den Brustkorb beim Einatmen auf." Ich verspüre viel Atembewegung im Schultergürtel, aber kaum im Becken.

Einem Schiffbrüchigen, der sich an einer Holzplanke festklammert, ist nicht geholfen, wenn ihm zugerufen wird: „Lass los! Ich weiß, da kommt Land!" Sobald er selber den Meeresboden unter den Füssen ertastet, kann er die Planke - eine Metapher für Ihr Festhalten im Brust und Schultergürtelbereich - loslassen. Deshalb arbeiten wir an Ihrem Fundament. Wir wollen einen elastischen Übergang von den Beinen zum Becken finden, damit Ihr Atem sich auch in den unteren Regionen Ihres Körpers ausbreiten kann.

 

Übungen

Entdecken Sie, dass Sitzen eine dynamische Sache ist! Balancieren Sie auf Ihren Sitzhöckern. Finden Sie den höchsten Punkt. Nun sind Sie in Ihrer guten Haltung. Schieben Sie die Ferse am Boden nach vorne, dehnen Sie das Bein. Dabei atmen Sie ein. Mit dem Ausatmen ziehen Sie es wieder zurück. Arbeiten Sie 10 Mal auf einer Seite. Pause! Spüren Sie nach, ob es zwischen rechts und links einen Unterschied gibt. Dann 10 Mal die andere Seite.


Sitzen Sie in der guten Haltung und kreisen Sie um Ihre Sitzhöcker herum. Finden Sie Ihren eigenen Atemrhythmus beim Kreisen, indem Sie den Atem fließen lassen.


Klopfen Sie Ihr Brustbein, die Schlüsselbeine, die Schultern ab. Seufzen Sie beim Ausatmen und lösen Sie so Verhärtungen. Achtung, wer raucht kann ins Husten kommen. Da gilt: weiter klopfen und gleichzeitig husten!


Im Alltag: Bewegen Sie Ihr Becken spielerisch hin und her, vor und zurück. Das geht auch während eines Telefongesprächs.
Sitzen Sie nicht zu lange. Nach spätestens einer Stunde sollten Sie ein paar Minuten absichtslos spazieren gehen.


 

 

A - Z Das meinen Sprecher, wenn sie von ... sprechen

ABBINDER
letzter Satz, letzte Aussage eines Webetextes, meist bedeutungsvoll präsentiert

BLENDE
stufenlose Laut/Leise-Einstellung zugemischter Töne/Sprache

CLAIM
zentrale Aussage innerhalb des Werbespots. Zum Beispiel "Wohnen Sie noch oder leben Sie schon?"

DROP-IN
vorproduziertes Sprachelement

EINSPIELUNG
Bild-/Tonausschnitt wird in Produktion eingefügt

FEATURE
meist längere, aus verschiedenen journalistischen Elementen zusammengesetzte Hörfunk-/TV-Sendung

GALGEN
Oder: Der Ton wird geangelt. Großes Mikrofon Stativ mit beweglichem Arm oder muskulöser Tonspezialist, der während Interviews das Mikro hält.

HALL
Schalleffekt, der entweder digital oder in Hallräumen entsteht

INFOTAINMENT
unterhaltsame Präsentation von Informationen

JINGLE
akustisches Produktionselement aus Musik oder Musik und Sprache - mit hohem Wiedererkennungswert

KOMPRESSOR
Gerät zur "Verdichtung" der Mikrofonstimme, erhöht die Präsenz, gleicht Schwankungen aus

LIMITER
automatische Pegelbegrenzung zum Schutz vor Übersteuerungen

MODULATION (der Stimme)
Abwandlung von Tonlage und Sprechspannung

NOTATION
Zeichensetzung des Sprechers (Sinnschritte, Betonungen, Sprechspannung etc.)

O-TON
Originaltöne, Interview-Statements

POPPSCHUTZ
Störlaute (meist bei "P"), dagegen hilft ein spezielles Netzgewebe vor dem Mikro

RÄUSPERTASTE
Taste am Sprecherpult zum kurzen Abschalten des Mikros

SELBSTFAHRER
Moderator bedient die Studiotechnik selbst

TANDEM
kurzer Spot, wird dem Hauptwerbespot im selben Werbeblock als REMINDER nachgeschoben

UNTERLEGEN
Musik und/oder Geräusche werden bei Sprachaufnahmen leise zugespielt

VOICE OVER
über fremdsprachige Statements gelegte Übersetzung des Sprechers

WARTESCHLEIFEN
vorproduzierte Informationsansagen am Telefon. Z.B. „Wir sind gerne Mo - Fr. für Sie persönlich da ..."

ZUSPIELBAND
vorproduzierter Take zum Einstreuen in eine Aufnahme


Atmen für Fleißige 2: Übungen für zu Hause und die Wildnis, genannt Alltag

Atmen ist bewusste Körperarbeit. Nehmen Sie sich also für das Üben Zeit, Raum und Ruhe. Sukzessive konditionieren Sie Ihren Körper, das Umschalten vom Alltagsbewusstsein ins Körperbewusstsein geht rascher.

Um fit für den Alltag zu sein, ist es sinnvoll auch dort zu üben. Gerade dort, wo es am Schwierigsten ist, lernen Sie am Besten sich zu konzentrieren.

 

Thema:
„Ich atme hoch, hebe und senke dabei die Schultern, insgesamt fühle ich mich angespannt."

Ihr Schwerpunkt, das „zu Hause sein"-Gefühl gehört weiter runter. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Koordination von Beinen und Becken legen, verlagert sich Ihr Schwerpunkt automatisch nach unten.

 

Übungen

Für zu Hause:

  • Stehen Sie etwas breiter als hüftbreit und stützen Sie die Hände in die Hüften. Lassen Sie Ihr Gewicht in den Boden sinken. Spielen Sie nun mit Ihrem Schwerpunkt. Bringen Sie Ihn nach vor auf Ihre Zehenballen und zurück auf die Fersen. Machen Sie dasselbe auch nach beiden Seiten. Verlieren Sie nie den Kontakt.

  • Kreisen Sie dann mit Ihrem Becken. Achten Sie auf Lockerheit in allen Gelenken: Sprunggelenk, Kniegelenk, Hüfte. Machen Sie die Übung so, dass Sie sich dabei immer wohler fühlen.

  • Stehen Sie aufrecht und beginnen Sie aus den Knien heraus zu vibrieren. Lassen Sie es stärker werden, sodass Sie in ein Schütteln kommen. Achten Sie auf die Lockerheit der Gelenke und atmen Sie gut und kräftig aus. Lassen Dampf ab!

Im Alltag: Sie warten auf einen Bus, einen Menschen... kreisen Sie „heimlich" Ihre Hüfte. So klein, dass man es nur sieht, wenn man ganz genau hinsieht.
Der Beckengürtel hat derart stabile Gelenke, dass durch „Mini" Bewegungen umso größere Wirkungen erzielt werden können.


Word Choices

Zwischendurch checken wir auch immer wieder Ihre Sprachkenntnisse in kleinen Happen. Bitte über- und einsetzten:

1. Our cruise ship went through the ______________________________.
Unser Kreuzfahrtschiff ist durch den Ärmelkanal gefahren.

2. The U.S. has almost a 9______________________________ dollar debt.
Die U.S.A. haben fast 9 Billionen Dollar Staatsschulden.


3. I saw a______________________________ about that on television.
Ich habe eine Dokumentation im Fernsehen darüber gesehen.


4. He´s a pious______________________________.
Er ist ein gläubiger Christ.


5. She´s really smart. She´s a ______________________________.
Sie ist sehr klug.Sie ist ein Genie.

6. The house is warm in the winter. It is well ______________________________.
Das Haus ist warm im Winter. Es ist gut isoliert.


7. Computers, cell phones, and I-pods are modern ____________________________.
Computer, Handys und I-pods sind moderne Technik.


8. It´s too hot! Let´s find some ______________________________.
Es ist zu heiß! Lass uns ein wenig Schatten finden.

9. I don´t understand. I´m ______________________________.
Ich verstehe nicht. Ich bin irritiert.

10. I feel bad. I have a bad ______________________________.
Ich fühle mich schlecht. Ich habe ein schlechtes Gewissen.

 

Answer Key: Answers in bold. German definitions in parentheses.

  1. English Channel (Ärmelkanal)
  2. trillion (Billion) vs. billion (Milliarde)
  3. documentary (Dokumentarfilm) vs. documentation (Belegmaterial)
  4. Christian (Christ) vs. Christ (Christus)
  5. genius (Genie) vs. genie (Flaschengeist)
  6. insulated (wärmeisoliert / stromisoliert) vs. isolated („isoliert" im Sinne von „abgelegen")
  7. technology (Technik) vs. technique (Methode)
  8. shade („Schatten" als Schutz vor der Sonne) vs. shadow (geworfene Schatten einer Person oder Sache)
  9. confused (irritiert/verwirrt) vs. irritated (geärgert / genervt)
  10. conscience (Gewissen)

In fünf Schritten zu einem guten stimmlichen Einstieg in den Tag

Um aus sprechtechnischer Sicht gute Voraussetzungen für den Alltag zu schaffen, braucht es nicht viel. Ein Warm Up am Morgen bereitet Sie auf alle Situationen vor, in denen Sie reden werden.


Heute präsentieren wir Ihnen den dritten Teil:

Warm Up für die Stimme

  • Summen Sie sanft auf „mmm". Die Lippen sind locker geschlossen. Wählen Sie verschiedene Stimmlagen, die Ihnen angenehm sind. Das Summen soll ein wohliges Gefühl auslösen.

  • Summen Sie erneut auf „mmm". Formen Sie im geschlossenen Mund ein „o" und öffnen, Sie erst dann den Mund, um das „o" klingen zu lassen. Probieren Sie diese Übung in verschiedenen Tonhöhen.

  • Testen Sie Ihren Stimmumfang: Intonieren Sie entspannt auf „mhm" den höchsten Ton, den Sie ohne Anstrengung erreichen können und lassen Sie die Stimme bis zum tiefst erreichbaren Ton hinunter klingen, ohne ihn abreißen zu lassen.

  • Stellen Sie sich vor eine Wand. Legen Sie die Handflächen in Brusthöhe auf die imaginäre Fläche vor sich. Stehen Sie in Schrittstellung. Mit der Silbe „wo" versuchen Sie die Wand einige Zentimeter von sich wegzuschieben. Der Krafteinsatz in den Armen und Beinen darf hoch sein. Der Kehlkopfbereich ist entspannt. Die Stimme klingt unangestrengt kräftig und wohl tönend im Raum.

  • Setzen Sie nun die Hände mit geschlossenen Fingern links und rechts neben den Mundwinkeln an. Jetzt schieben Sie die Silbe „ma" mit beiden Händen vom Mund weg in den Raum. Die Bewegung wird entschlossen und kräftig ausgeführt. Der Kiefer klappt für das „ma" entspannt nach unten. Wiederholen Sie die Übung beliebig oft. Lauschen Sie dem Klang Ihrer Stimme.

Atmen für Fleißige

Atmen ist bewusste Körperarbeit. Nehmen Sie sich also Zeit für das Üben, Raum und Ruhe. Schon bald ist Ihr Körper konditioniert, das Umschalten vom Alltagsbewusstsein ins Körperbewusstsein geht rascher. Um auch fit für den Alltag zu sein, ist es sinnvoll auch da zu üben. Gerade dort, wo es am Schwierigsten ist, lernen Sie am Besten sich zukonzentrieren. Schließlich dienen die Übungen im geschützten Rahmen dazu, sich für den Alltag zu wappnen.

In den nächsten Newslettern beleuchte ich Schlagworte wie flacher Atem, kurzer Atem, hohe Stimme usw. Dazu gibt's Übungen für zu Hause und Tipps, wie Sie sich auch im Alltag damit beschäftigen können.


Sie atmen rasch und flach
Sie haben in sich mehr Raum zum Atmen als Sie glauben. Werden Sie sich Ihrer ganz individuellen Atemräume bewusst. Diese Übungen sind gleichzeitig ein idealer Einstieg, für eine Übungssequenz.

 

Übungen

  • Legen Sie sich flach auf den Rücken. Seien Sie Beobachter Ihres Atemgeschehens. Wo nehmen Sie Atembewegung wahr? Im Hals, um dieSchlüsselbeine, im Brustkorb, im Bauch, im Becken, im Rücken, in den Beinen, in den Füssen?
  • Beatmen Sie dann die Atemräume einzeln, indem Sie bis 4 zählen beim Einatmen durch die Nase und bis 6 oder 8 wenn Sie durch die Naseausatmen.
  • Sitzen Sie aufrecht und stellen Sie sich vor, Ihr Rumpf ist eine Vase. Mit jedem Atemzug füllen Sie die Vase vom Grund an mit frischem Wasser.

In fünf Schritten zu einem guten stimmlichen Einstieg in den Tag

Um aus sprechtechnischer Sicht gute Voraussetzungen für den Alltag zu schaffen, braucht es nicht viel. Ein Warm Up am Morgen bereitet Sie auf alle Situationen vor.

Heute präsentieren wir Ihnen den fünften und letzten Teil.

Verbessern Sie die Artikulation:
Deutlichkeit resultiert aus der Genauigkeit, mit der die einzelnen Buchstaben geformt und verbunden werden. Präzise Artikulation verbessert die Verständlichkeit und damit die Kommunikation. Folgende Übungen helfen:

Sprechen Sie die jeweiligen Beispielwörter deutlich aus. Lassen Sie die Vokale A, E, I, O und U klingen, solange Ihre Atemluft reicht.

  • A > Beispielwort: JAAA! Der Kiefer klappt dabei locker auf Daumenbreite nach unten.

  • E > Beispielwort: GEEEH! Der Mund formt ein vertikal liegendes Rechteck ohne Lippen und Kiefer zu verkrampfen.

  • I > Beispielwort: NIIIE! Die Spannung im Mundinnenraum erhöht sich leicht. Der kleine Finger passt zwischen die Schneidezähne.

  • O > Beispielwort: WOOO? Die Lippen formen eine kreisrunde Öffnung, Durchmesser etwa ein Zentimeter. Überprüfen Sie vor dem Spiegel, ob Ihr O optimal geformt ist.

  • U > Beispielwort: DUUU! Die Lippenöffnung verkleinert sich, im Gaumenbereich wird es enger. Mit dieser Lippeneinstellung ist es auch möglich zu pfeifen.

Lauschen Sie bei allen Vokalen dem Klang. Lernen Sie die Qualität Ihrer Stimme kennen und steuern.


Reflektorische Einatmung

In der Ruheatmung besteht der natürliche Atemrhythmus aus drei Phasen:

Einatem - Ausatmung - Atemruhe (Pause). In Aktivität, bei Anstrengung oder psychischer Belastung verändert sich dieser Grundrhythmus!

Beim Sprechen und Singen wird die Einatmung zu Gunsten einer gut dosierten, langen Ausatmungsphase verkürzt. Die Atemruhe entfällt und der Einatemreiz erreicht uns reflektorisch, also von selbst. Schon in 0,2 Sekunden erneuert sich der Atem. Das gelingt, wenn der Wechsel zwischen Spannen und Lösen im Körper reibungslos funktioniert.

Übung:
Sitzen Sie aufrecht oder stellen Sie sich hüftbreit hin. Legen Sie Ihre Handflächen auf den Bauch, zwischen Bauchnabel und Schambein.

Tönen Sie sanft ein stimmloses „sch". Nehmen Sie wahr, wie sich bei der Tonproduktion die Bauchdecke nach innen zieht und mit dem nächsten Luftholen von selbst wieder ausdehnt. Durch das „sch" fließt der Ausatmungsstrom langsam und kontinuierlich. Er wird bewusster und meist länger als normal. Sobald Sie das Tönen beenden und sich die damit verbundene Spannung in der Bauchdecke, den Lippen und der Zunge löst, kommt der neue Einatemreiz, wie von selbst.


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