Buchkritik
Der neue Precht

von Tatjana Lackner
Richard David Precht hat ein neues Buch herausgebracht. Wie viele aus der Precht-Gefolgschaft habe auch ich mich darauf gefreut und es - gleich am ersten Tag auf dem Markt - besorgt. Der Buchtitel „Anna, die Schule und der liebe Gott“ samt Untertitel: „Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern“ könnte auch vom ebenfalls geschätzten Ex-Chefredakteur Michael Fleischhacker der Tageszeitung „Die Presse“ sein. So artig und wenig aufreißerisch kommt das Cover daher. Inhaltlich erinnert sich die aufgeklärte Leserin sofort an die 70er Jahre und den Anonymautor Fynn der mit seinem Bestseller „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“ Furore gemacht hat. Das kleine Büchlein von 1974 enthielt jedoch bei weitem mehr philosophische Betrachtungen und Inspiration als der vorliegende 350 Seiten Wälzer aus dem Goldmann Verlag um €19,99. Bis Seite 91 hab ich es Wort für Wort, danach nur noch quer gelesen. Beides war fad, das geht schon bei der Widmung los: für die Kultusministerkonferenz und Prechts Lehrer. Na servas!
Worum geht’s?
Precht spannt den Bogen von Wilhelm Humbolt (1809) bis zu den heutigen Missständen in Deutschland. Statt eines Aha-Erlebnisses hat man beim Blättern ein Déjà-Vu nach dem anderen: Vieles fällt wirklich unter „eh scho wissen“: 1) Aha, die Pisastudie ist also wenig aussagekräftig, wer hätte das gedacht? 2) Oho, die Politik ist zuständig für anstehende Bildungsreformen, geh was? 3) Wir alle sind schuld daran, dass Achmed aus Berlin-Kreuzberg seine Hauptschule abbricht und nun lieber Drogen verkauft. Echt, ist das so? Warum bin ich da jetzt schuld? Viele Deutschlandbeispiele samt germanischer Politikernamen und speziellen Problemstellungen machen die Lektüre für mich als Österreicherin wenig attraktiv.
Precht scheint seine Popularität zu unterschätzen. Manche der Bildungsmissstände mögen bei uns zwar ähnlich sein, aber sudern können wir bei weitem besser und süffiger.
Fazit: Schade, dass es bloß ein Auskübelbuch geworden ist, das nicht einmal auf Amazon besonders gut besprochen wurde. Wahrscheinlich kann selbst ein Vorzeigephilosoph nicht am laufenden Band relevante Betrachtungen auf die Welt bieten. Die Precht-Freunde verzeihen ihm zwischendurch einen sperrigen, welk formulierten Schinken (es kommen Worte vor wie „Endziel“! Oje und pfui!). Das nächste Buch darf dann wieder anschließen an die inhaltliche Qualität von: „Liebe – ein unordentliches Gefühl“ oder sein legendäres „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ Okay? Ja, bitte!
Buchtipp
von Tatjana Lackner

Dr. med. Eckhart von Hirschhausen ist mit seinem tabulosen Buch „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ ein unterhaltsames Sammelsurium gelungen. Es werden einige Klischees auf witzige Weise beleuchtet, darunter:
„Der Richtige kann nichts falsch machen und der Falsche nichts richtig!“
„Je höher die Absätze, desto kürzer die Hauptsätze?“
„Will Frau einen Versorger oder einen Besorger?“
Jeder Mensch habe einen „erotischen Fingerabdruck“. Das Dilemma unserer Zeit: entweder man ist vertraut miteinander oder scharf aufeinander. Hirschhausen ist davon überzeugt: Partnerwahl ist Problemwahl. Wir suchen unsere Probleme mit dem jeweiligen Partner also selbst aus.
Der Wirtschaftsjournalist und Kabarettist studierte Medizin. Er prangert Porno-Magazine und Sex-Tipps an. Da er davon überzeugt ist, „dass für Sex, der seit Millionen von Jahren auf diesem Planeten praktiziert wird, in den letzten Wochen auch nichts fundamental Neues erfunden wurde“.
Schnittblumen und Topfpflanzen ist die Lebensentscheidung bezüglich der Liebe und einer Beziehung. Beide Modelle haben etwas für sich: Die Schnittblume ist schön, lässt aber bald den Kopf hängen und es muss die nächste Schnittblume her. Gelebte „serielle Monogamie“ heißt dieses Modell wissenschaftlich. Der Nachteil: Die Schnittblume kann niemals Wurzeln schlagen, wenn es mit einer der getriebenen Blüten doch mal ernst wird. Mit der Topfpflanze ist man da besser dran; aber im Topf herrscht nicht immer Frühling.
Vielleicht ist es so wie in einem jüdischen Witz, wo ein Protestant, ein Katholik und ein Rabbi streiten, wann das Leben beginnt: „Mit dem ersten Atemzug“, meint der Pastor. „Nein, bereits mit der Einnistung der Eizelle“, kontert der Priester. Der Rabbi schüttelt schmunzelnd den Kopf: „Wann beginnt das Leben? Wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot!“
Zukunft 2050: Wie wir schon heute die Zukunft erfinden
Nika Triebe

Heute schon leben in Österreich rund 50.000 Menschen, die älter als 90 sind. Im Jahr 2050 werden es über 200.000 sein.
Gute Chancen, dass auch Sie dazu gehören! Doch nicht nur wir selbst sind vielleicht betroffen. Als Mutter einer mittlerweile dreijährigen Tochter halte ich es für unumgänglich, sich mit Zukunft auseinander zu setzen. Gilt es doch den Nachwuchs fit zu machen für das, was da eventuell kommen möchte. Horx und Co. haben für mich persönlich nur noch wenig Neues zu bieten. Mir geht es nicht um Trends oder modische Erscheinungen, sondern vielmehr um konkrete Szenarien. Da bin ich auf das Buch „Zukunft 2050: Wie wir schon heute die Zukunft erfinden.“ von Ulrich Eberl gestoßen. Mehr Science als Fiction, im Zweifelsfall eher pragmatisch als visionär: Ulrich Eberl wägt ab, analysiert Chancen und Risiken und schafft so Szenarien, die ein gewisses Maß an Wahrscheinlichkeit besitzen.
Auf 240 großformatigen Seiten, illustriert mit einer Vielzahl passender Bilder (und ganz wenig Formeln und Tabellen) beschreibt der 1962 in Regensburg geborene Wissenschaftsjournalist, wie aus Futurologie "echte Zukunft" wird. Interessant sind die konkreten Szenarien, die Eberl jedem Kapitel vorangestellt hat. Sie entwerfen tatsächlich ein mögliches Bild unseres globalisierten Lebens in 38 Jahren. Er lotet aus, welche Technologien unsere Zukunft bestimmen werden.
In seinem Sachbuch entwirft Ulrich Eberl fern aller Spekulationen ein faktenreiches Zukunftspanorama und warnt doch auch vor möglichen Katastrophen auf der Erde. Ein spannendes Buch für jeden, der wissen will, wie es mit der Welt weitergeht. „Zukunft 2050“ ist keine einfache Lektüre, aber ein wichtiges und spannendes Buch, das zeigt, wie viel wir schon heute tun können, um unser Weiterbestehen auf diesem Planeten zu sichern.
Interessant finde ich auch die Empfehlung des Verlages „Zukunft 2050“ im schulischen Bereich einzusetzen - für Jugendliche über 14 Jahre. Doch dieses Buch in der Rubrik "Jugend-Sachbuch" einzuordnen, wäre eindeutig zu kurz gegriffen!
Ein Gespräch unter Autoren ...

v.l.n.r.: Dr. Hans-Georg Häusel (Autor von: „Think Limbic“, „Brain View“, "Emotional Boosting”)
Dr. Petra Bock (Autorin von: „Mindfuck“, „100 Fragen Ihr Leben betreffend“)
Tatjana Lackner (Autorin von: “Rede Diät”, “Be Boss”,”Die Schule des Sprechens”)
Dr. Petra Bock, Coach und Managementberaterin, ist davon überzeugt, dass wir zur mentalen Selbstsabotage neigen. Haben wir uns deshalb begonnen selbst zu geißeln? Darauf persönlich angesprochen sieht sie die Gründe in unseren veralteten Denkmustern, denen sie mit ihrem Bestseller „Mindfuck“ zu Leibe rücken möchte. Grundsätzlich ist das Wort „Mindfuck“ weniger ordinär, als es auf den ersten Blick anmutet. Der Begriff kommt aus der Filmsprache und ist eine durchaus gängige Bezeichnung für die Gedankenmanipulation des Zusehers. Im Buch postuliert die Autorin barrierefreies Denken und ist davon überzeugt, dass permanente „Denk positiv!“- Affirmation ebenso ins Mindfuck führt, wie gedanklich dauernd an sich herum zu nörgeln. Weder Allmacht, noch Ohnmacht brächten uns weiter.
Sie weist darauf hin, dass uns die demographische Entwicklung zwingen wird lange und nachhaltig leistungsfähig zu bleiben, um die zeitlich erweiterte Lebensreise erfolgreich zu meistern. Einer der schönsten Sätze aus mehreren Gesprächssequenzen mit ihr: „Wir machen nicht zu wenig, wir stören uns zu viel!“ Jeder Mensch, der noch im alten Jahrhundert sozialisiert wurde ist potentiell Mindfuck gefährdet. Ihre Fragen stimmten mich nachdenklich: „Tatjana, wer hat Dich erzogen?“ Antwort: „Hm, meine Großeltern“. Bock setzt nach: „Was waren sie für ein Jahrgang?“ Antwort: „Mal nachdenken. Beide 1920, glaub ich!“
Bock: „Und von wem wurde Deine Großmutter erzogen?“ Antwort: „Ich denke von ihrer Mutter … ok, die war dann wohl schon Jahrgang 1887“. Bock: „Genau, und all diese Denkmuster sitzen Dir in den Knochen und können Dich ins Mindfuck führen.“
Wurden wir darum zu unmündigen Gefangenen unserer eigenen Bewertungen? Sind wir Sklaven unseres über die Jahrhunderte Stich für Stich mühevoll geschneiderten Wertekorsetts das wir weiter vererben und in dem dann auch unsere Kinder mit alten Werten zusammengeschnürt leben müssen? - Bestimmt muss man diese – in unserem Fall - abendländischen Werte sehr lieben, um sie so eng anliegend täglich am Leib zu tragen. Da könnte man den oft zitierten Werteverfall in der Gesellschaft doch eigentlich sogar bejubeln. Denn: was zerbröselt hier wirklich? - Verfallen die alten Werte oder verfault die Fähigkeit analytisch zu beurteilen – welche Konzepte noch brauchbar sind und welche Denkmuster auszumisten? Ist es nicht mittlerweile ein NoGo sich kritisch irgendwo zu äußern und gegebenenfalls Inhalte klar zu reklamieren. Warum bloß? Wir brauchen doch die Fähigkeit Qualität von Tand unterscheiden zu können. Im Strudel der pluralistischen Strömungen würden wir jämmerlich ertrinken, wenn wir nicht in der Lage wären schnell zu entscheiden: was für uns (lebens-)wichtig ist und was nicht. Laufend müssen wir auch im Business-Dschungel verifizieren: wem kann ich vertrauen, wem sicher nicht?
Intuition ist eine Fähigkeit, die wir zum Glück schon hatten, als wir noch mit der Keule und im Fell unterwegs waren – damals noch ohne Labelaufdruck. Alles, was sich in der Urzeit bewegt hat unterlag der essentiellen Frage: „Frisst es mich, oder will ich es fressen?“ Geblieben ist uns dieses „Freund/Feind – Denken“ bis heute.
Wir erleben die Überreste davon in jedem Wortgefecht. Unser Kommunikationsverhalten hängt eng mit unserem Selbstkonzept zusammen – und manchmal auch mit unserem Mindfuck.
Buchtipp:

Mindfuck: Warum wir uns selbst sabotieren und was wir dagegen tun können
Buchbesprechung
von Tatjana Lackner
Bei den Geburtstagsfesten in der Schule des Sprechens werden kreative, hippe und oft sehr anregende Geschenke überreicht. Tatjana bekam zuletzt gedanklich kontroversielle Stunden von Nika Triebe (Rhetorik) geschenkt - in Form des Buches: „Das Ende der Normalität – Nachruf auf unser Leben, wie es bisher war“. Gabor Steingart ist Chefredakteur der deutschen Tageszeitung „Handelsblatt“ und Wirtschaftsjournalist. Früher sei auf den Status Quo Verlass gewesen. Die Kirche war noch eine Instanz, Eltern blieben noch ihrer Kinder wegen zusammen und gesellschaftliche Normen galten noch etwas. Heute ist die Treue zur Automarke größer, als die zum Ehepartner, aus dem Beruf wurde ein Job und das Wort „Zukunft“ mache eher Angst, als Lust. - Steingart beschreibt mit blumigen Worten und bildreichen Beispielen, was sich alles gewandelt hat. Das macht er sehr gut. Dennoch dient diese Lektüre maximal so kurzfristig, wie ein frischer Burger. Man ist unmittelbar befriedigt, aber nicht zufrieden satt. Auf Amazon beschwert sich einer der - meist kritischen Rezensenten - zu Recht: „ … In seiner dicht gedrängten Reihung von Beispielen waren auch so manche „Aha!"-Momente dabei. Leider baut der Autor auf diesem Grundgerüst nicht auf und vergisst, daraus wesentliche Lehren zu ziehen. Die letzten Kapitel des Buches, in denen er dies versucht, blieben für mich unter dem Strich ohne substantiellen Erkenntnisgewinn. …“ Insgesamt ist das Werk nun in der 3. Auflage und hat mit 3 von 5 Sternen nicht gerade abgeräumt.
Fazit: Viele gute Ideen zu wenig in die Tiefe gedacht. Wer dann noch auf Youtube geht, wird vom quasselden Autor mit den unsympathischen Mundbewegungen noch enttäuschter sein. Es gibt Menschen, die deutlich spritziger schreiben, als sie reden. Da könnte Lapcom helfen :-)!
Preis: ab €8,99
Das Megatrend Prinzip
Buchtipp von Tatjana Lackner
Rechtzeitig zum proklamierten Weltuntergang ist er da - der neue Horx. Ein Zukunftsforscher, der im Apokalypse-Jahr über Morgen reden will, muss ein Optimist sein! Seine Kritiker haben Recht: ja, er ist wieder positiv gestimmt und „noch nie hatten wir's so gut, wie jetzt ..." Und es tut diesmal sogar wohl. Während die ganze Welt sudert, malt Matthias Horx im optisch wenig ansprechenden Buch ein gelungenes Länderbild nach dem anderen. Von Russland über Schweden bis zur Insel Nauru erfährt der Leser viel für €22,99. Natürlich ist Horx auch wieder populärwissenschaftlich unterwegs. Das ist auch sinnvoll so, denn gerade populus, also das gemeine Volk, sollte ihn diesmal inhalieren, wie eine frische Brise. Wenn ihn nur wieder die ganz G'scheiten lesen, um lapidar und völlig richtig festzustellen: „wer einen Horx gelesen hat, kennt auch die anderen" - dann wird es keinen Urlaub vom Zukunftsjammer geben. Solange der geschichtliche Rückblick des Durchschnittspopolus ... äh, poplig, einfach: Po .. gesünder erscheint, als der Ausblick, solange werden wir uns marode fühlen. Horx Plakate sind durchaus groß: ein westlicher Durchschnittsverdiener hatte einen geringeren Lebensstandard, als heute ein Hartz-IV-Empfänger!
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Wissen Sie, wo der Barthel den Most holt?
Buchtipp von Susanne Lefèvre
Warum „schütteln wir etwas aus dem Ärmel", wenn wir locker in schwierigen Situationen Lösungen finden? Ist es eine „Binsenweisheit", dass „Blut dicker als Wasser" ist und warum „geht es uns an die Nieren", wenn uns jemand „übers Ohr haut"? Wenn Sie wissen wollen, wieso wir uns abends „in Schale werfen", weshalb „die Gesellschaft Stützen hat" und was damit gemeint ist, wenn es jemand „faustdick hinter den Ohren" hat, werden Sie mit diesem Buch sicher bald „auf Wolke sieben" schweben.
Die Duden-Redaktion, unter der Leitung des verstorbenen Dr. Rudolf Köster hat mit dem Band Redensarten ganze Arbeit geleistet. Auf unterhaltsame Art geht man hier altbekannten Redensarten auf den Grund und fördert überraschendes wie verblüffendes Wissen zu Tage, das oft über Jahrhunderte verloren gegangen ist.
Die Kunst des klaren Denkens
Buchtipp von Tatjana Lackner
Gerne gönnt man Rolf Dobelli, dem Schweizer Unternehmer, Berufspiloten und Autor seinen Erfolg. Der Luzerner „Hansdampf-in-allen-Gassen" schafft es mit seiner Firma getAbstract Managerliteratur von mehreren hundert Seiten auf nur 5 zu kürzen und verdient als selbsternannter Chefredakteur mit diesen destillierten Essenzen sein Geld. Das sechste und aktuelle Buch „Die Kunst des klaren Denkens" ist leicht lesbar geschrieben, auch wenn sein Schreibstil eher trocken und wenig sprachvirtuos anmutet. Darin widmet er sich 52 Denkfehlern, die für den modernen CEO durchaus relevant sind. Die Spanne reicht von der Erklärung unseres angeborenen a) Social Proof, dem Herdentrieb, über den b) Overconfidence-Effect bis hin zum c) Auswahl-Paradoxon und vielen anderen Bias. Demnach beeinflusst die Gruppenentscheidung viel öfter unser Individualgehirn, als wir meinen.
a) Social Proof
Als wir vor mehr als 50.000 Jahren mit unseren Jäger-und-Sammler-Freunden in der Serengeti unterwegs waren war die Gruppenentscheidung oft lebensrettend. Wenn plötzlich alle Kumpels nach links abbogen, so blieb das Individuum selten stehen, um sich an der Stirn zu kratzen und selbst zu entscheiden, ob das angreifende Tier wie ein Löwe aussieht. Wer anders handelte ist oft aus dem Genpool verschwunden. Heute sieht die Sache sicher anders aus, wer in der Masse untergeht hat auch verloren.
b) Overconfidence-Effect
Der Overconfidence-Effect misst den Unterschied zwischen dem, was Menschen wirklich wissen und dem, was sie denken zu wissen. Überraschend dabei, dass dieser Selbstüberschätzungs-Effekt vor Experten ebenso wenig halt macht, wie vor uns übrigen. Ein Ökonomieprofessor liegt demnach bei einer Fünfjahresschätzung des Ölpreises genauso falsch, wie ein Nichtökonom.
c) Auswahl-Paradoxon
„The Paradox of Choice" - Ja, Auswahl zu haben macht glücklich. Es gibt allerdings eine Grenze, bei der ein Zuviel die Lebensqualität vernichtet und uns in die Knie der „inneren Lähmung" zwingt. Ein Supermarkt stellte 24 Sorten Konfitüre zum Probieren auf. Die Kunden konnten nach Belieben kosten und mit Rabatt kaufen. Am folgenden Tag führte der Supermarkt dasselbe Experiment mit nur sechs Sorten durch. Das Ergebnis? Es wurde zehnmal mehr Konfitüre gekauft. Fazit: Ist das Angebot zu groß, kann sich der Kunde nicht entscheiden und kauft nichts.
Rolf Dobelli
"Die Kunst des klaren Denkens"
Hanser Verlag, € 14,90
Bei Amazon
Sprache ist Chefsache!
Buchtipp von Nika Triebe
Texten wie ein Profi: Ein Buch für Einsteiger und Könner. Mit über 5.000 Wort-Ideen zum Nachschlagen!
Hans-Peter Förster
Frankfurter Allgemeine Buch
Die Grenzen unsere Sprache sind auch die Grenzen unseres Denkens, meinte bereits Schopenhauer. 3.500 Wörter etwa umfasst unsere Umgangssprache. 100 zählt der Wörterfundus bei der Hälfte aller Brieftexte. 50 Wörter sind die meistgebrauchten unserer Sprache, etwa 45% Prozent jedes Textes.
Ist der Schluss zulässig, dass unser Denken ganz hübsch begrenzt ist?
Sprechen lernen durch's Schreiben, das geht! Überlassen wir wichtige Texte ausschließlich externen Agenturen, besteht die Gefahr auch das Denken auszulagern. Selbstverständlich müssen Professionisten einbezogen werden, doch bitte immer mit kritischen, offenen Ohren und Augen dranbleiben! Die Endabnahme muss Chefsache bleiben. Coporate Wording spiegelt die Kultur eines Unternehmens nach innen und nach außen wider.
Um dem Einheitsbrei der Slogans und Nullaussagen zu entrinnen, zahlt es sich aus, Zeit und Geld in das Arbeitsbuch von Hans-Peter Förster zu investieren. Hier geht es zwar vordergründig um das professionelle Texten, doch die Auseinandersetzung mit der Thematik bereichert den verbalen Sprachschatz genauso. Sie werden es erleben!
Das Handbuch von Hans-Peter Förster bietet: Textideen, Schlag auf Schlag für Eilige, Anleitungen und Tipps für Anzeigentexte, Broschüren und Mailings für Anfänger und Könner, Tests zur Analyse und Übungen zur Positionierung Ihres Unternehmens für Strategen. Einen Kompass zur Ausrichtung der Texte nach Zielgruppen für Profis. Ein Baukastensystem zur individuellen Erstellung eines Wort-Portfolios für Ihr Unternehmen auch für den Trainee und den Vorstand. Ein eigenes Wörterbuch mit über 5.000 Wort-Ideen zum Nachschlagen für die, denen manchmal die Ideen ausgehen.
Das Ziel: die deutliche Wahrnehmung Ihres Unternehmens am Markt über dem Pegel der Informationsflut. Ein Buch für Einsteiger, Könner und solche, die den Kopf für die Inhalte hinhalten müssen.
In diesem Sinne: Gute Worte!


