Das Jahresrezept
Tipp von Tatjana Lackner
Rund um den Jahresbeginn stehen die Lebensrezepte und kalendarischen Binsenweisheiten wieder hoch im Kurs. Jeder darf mitreden und anraten, weil es ja eh keine Lebensexperten, sondern maximal Lebensberater gibt. Neben den üblichen: „ich sollte weniger essen, rauchen .." - Sätzen und den „ich sollte mehr Sport betreiben, Zeit für die Familie finden" - Beteuerungsarien in U-Moll bietet sich ein universelles Jahresrezept an, das niemandem nützt und im besten Fall auch keinem schadet:
Zutaten:
12 Monate
1 Stk wertschöpfende Arbeit
1 Stk Denken und Kommunikation
1 Stk innere Ruhe oder Schlaf
2 EL Gesundheit
1 EL Luxus
1 TL Disziplin
1 Körnchen Gelassenheit
1 Prise Sex-Appeal
Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Größenwahn, Depressionen, Alltagsproblemen und Eifersucht und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat für ein Jahr reicht.
Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus: 1 Teil wertschöpfender Arbeit, 1 Teil Denken und Kommunikation, 1 Teil Ruhe bzw. Schlaf. Man füge 2 gehäufte Esslöffel Gesundheit, 1 Esslöffel Luxus, 1 Teelöffel Disziplin, 1 Körnchen Gelassenheit und 1 kräftige Prise Sex-Appeal hinzu.
Dann wird abgeschmeckt und gegebenenfalls verbessert. Erst nach der bestandenen Qualitätskontrolle samt Verfeinerung, wird die Masse mit viel Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man mit unterschiedlichen Sträußchen der eigenen Wandelbarkeit und serviere es stilvoll und stets Anlass-adäquat mal mit Sekt, dann wieder in High-Heels, ... immer jedoch mit Charisma und Charme.
Vorbeugen statt Schweigen
von Susanne Lefèvre
Wenn draußen die Temperaturen sinken und drinnen die Viren schwirren, ist besondere Vorsicht angesagt. Husten, Halsweh, Heiserkeit legen sich bei falscher Belastung schnell auf unsere Stimmbänder. Sind die angeschlagen, wird das Sprechen oft zum schmerzhaften Kraftakt, bis die Stimme schlimmstenfalls ganz ausfällt.
Stimmschonend wirkt der ökonomische Umgang mit den Sprechwerkzeugen.
Was ist damit gemeint? Um zu sprechen, brauchen wir einen gewissen Druck, der die Stimmbänder zum Schwingen bringt und so Klang erzeugt. Um diesen „Anblasedruck" effizient zu erzeugen, müssen die Muskeln im Rumpfbereich aktiv sein. Arbeiten die Stützmuskeln aktiv mit, wird der sensible Kehlkopfbereich entlastet, er bleibt locker und entspannt. Resultat: Unsere Stimme klingt angenehm und ist länger belastbar.
Kleine Übungen helfen, diesen wichtigen Bereich zu erspüren und zu kräftigen:
- Zischen und schnauben
Auf allen Vieren: Darauf achten, dass der Rücken ganz gerade ist. Die Arme sind leicht angewinkelt, die Nackenmuskulatur ist frei beweglich. Wir starten mit je dreimal: ffft, ffft, ffft - ssst, ssst, ssst, - scht, scht, scht
Dabei soll viel Luft verbraucht werden. Die Arbeit der Stützmuskulatur ist gut zu spüren. Die Übung kann beliebig oft wiederholt werden, mindestens dreimal im Ablauf. Anschließend kräftig die Lippen flattern lassen (Pferdeschnauben), ebenfalls dreimal. Tipp: Pfeift man in dieser Position ein einfaches Kinderlied (z.B. „Alle meine Entchen..."), spürt man die Bewegungen der Stützmuskeln besonders gut. - Lachen auf ha, he, hi, ho, hu
Aufrecht sitzen, beginnen mit hahahahahaha. Dabei soll das permanente An- und Entspannen der Rumpfmuskulatur gut spürbar sein. Variieren mit verschiedenen Vokalen. Täglich wiederholt, schützt das kleine Muskeltraining die Stimme vor unnötiger Belastung.
Viel Spaß beim Sprechen!
Sprach-Klima & Wort-Temperatur
von Tatjana Lackner
Wir alle leben in dem Sprach-Klima, das wir erschaffen. Egal, ob M@il oder Werbetext, wir offenbaren viele Informationen durch unseren Sprachstil gewollt oder ungewollt. Gute Redner bieten Erlebniswert in der Sprache und texten nicht nur „grau". Bunte Worte drücken präziser aus, was graue nicht vermögen. „Ich muss das demnächst noch MACHEN." ist weniger knackig formuliert und der Aussagewert der Information verwaschener, als „Ich werde morgen damit BEGINNEN". Die zweite Aussage gibt uns klarer bekannt, dass sich das Projekt noch in der Anfangsphase befindet.
Bestsellerautor Heinz Peter Förster unterscheidet in seinem Buch „Texten wie ein Profi" zwischen 4 verschiedenen Stilfunktionen in der Sprache, denen er dann auch eigene Farben zuordnet:
- Garantiefunktion (grün)
- Informationsfunktion (blau)
- Erlebnisfunktion (gelb) und die
- Kontaktfunktion (rot)
Inhaltlich ist die Chose zwar nicht ganz neu, aber interessant an diesem 4-Farben-Modell bleibt die Wirkung auf das Sprach-Klima. In der Werbung werden die verschiedenen Käuferschichten beispielsweise auch sprachlich unterschiedlich adressiert. Die Machart des Spots oder die Aussage des Claims verrät, wer gemeint ist. Die Wortwahl beeinflusst unsere Botschaften massiv.
1) grün = konservativ und beständig ... das sind Worte wie: erfahren, anerkannt, geordnet.
Slogan: „Da weiß man, was man hat" (Persil)
2) blau = sachlich, wie: exakt, informativ, differenziert, genau
Slogan: „Präzision für Ihre Augen" (Zeiss)
3) gelb = progressiv, wie: spritzig, impulsiv, bunt, frech, abenteuerlustig
Slogan: „Aufregend anders" (Wienerwald)
4) rot = emotional, wie: nah, angenehm, gemütlich, hilfsbereit
Slogan: „Das Gefühl von Geborgenheit" (Volvo)
Wie beim Wetter gibt es auch bei Synonymen unterschiedliche Wärmeskalierungen. Welche Worte haben mehr Temperatur, als andere? „Gelogen" ist wohl heißer in der Bedeutung, als „einseitig beleuchtet". Die Wort-Temperatur von „frei erdacht" wirkt dagegen schon fast kühl. Die Grenzen zwischen Euphemismus, Wohlfühlrhetorik und Wort-Temperatur ist freilich schwimmend.
Wir alle sind in Politik und Wirtschaftsleben umgeben von Techniken dieser Art: „Beitragsanpassung" ist offenbar ein politisch verträglicheres Wort, als „Preiserhöhung".
Weitere Beispiele aus Politik und Wirtschaft:
- mehr Eigenverantwortung übernehmen (mehr aus eigener Tasche zahlen müssen)
- ich kann das nicht ausschließen (das ist beschlossene Sache)
- suboptimal (schlecht)
- Nullwachstum (Stillstand)
- Outscourcing (Entlassen von Personal)
- freisetzen (entlassen)
- Entzerrung des Preisgefüges (Verteuerung)
- Kollateralschaden (zivile Opfer)
- der Friedensprozess ist ins Stocken gekommen (es herrscht Krieg)
- weiche Ziele (Menschen)
Schwarze Rhetorik
Interview mit Tatjana Lackner
Tatjana arbeitet gerade wieder an einem neuen Buch, das sich mit „schwarzer Rhetorik" befasst und 2012 erscheinen wird. Nur, wer erkennt, wie verbale Untergriffe strategisch eingesetzt werden - kann darauf reagieren. Die Newsletter-Redaktion hat bei der Top-Trainerin nachgefragt, in wieweit es heute für Karriereorientierte wichtig ist, das Werkzeug der unfairen Rhetorik zu entlarven:
Newsletter-Redaktion: Was versteht man unter „Schwarzer Rhetorik"?
Tatjana Lackner: Schwarz wird in unserem Kulturkreis oft mit düster, Trauer oder Tod assoziiert. Zur „Schwarzen Rhetorik" gehören daher Totschlag-Argumente und Killerphrasen ebenso, wie Gesprächsblockaden und Kommunikationssperren.
NL-Red.: Wer ist im Business gefährdet, Angriffe abwehren zu müssen?
TL: Gerade am Arbeitsplatz bieten strukturbedingte Reibebäume in jedem Organigramm eine Blüte an Möglichkeiten, um aneinanderzugeraten. Logisch, dass ob seiner Jobdescription der Einkaufsleiter nicht immer der beste Freund des Verkaufsleiters ist. Auch der Marketing-Chef spricht selten die gleiche Sprache wie der Controller, zudem verfolgen beide unterschiedliche Ziele. Im Gastgewerbe haben - klischeekorrekt viele Kellner mit den Köchen ebenso ihre liebe Mühe, wie im künstlerischen Bereich die Geiger mit den Bläsern. Killerphrasen begegnen uns aber auch nach 18.00 Uhr zu Hause. Unsere Kinder sind oft perfekte Sophisten.
NL-Red.: Ihr neues Buch befasst sich damit, Killerphrasen souverän zu kontern. Was versteht man unter „modernem Sophismus" in Unternehmen?
TL: Sophismus lässt sich vom griechischen Wort sophós ableiten, das für „geschickt" und „klug" steht. Rhetorische Scheinbeweise und Trugschlüsse zu ersinnen, war schon im 5. Jahrhundert vor Christus ein bekanntes Stilmittel, um Menschen zu manipulieren. Für die Sophisten war es sportlicher Ehrgeiz, durch sprachliches Geschick Einfluss zu nehmen. Die Griechen untersuchten damals Begriffe und ihre Grenzen. Die Frage war: Was lässt sich beweisen und wovon das Gegenteil behaupten? Denken war die Leidenschaft und gut Redenkönnen eine Tugend. „Rhetorik" war die Grundvoraussetzung, um studieren zu dürfen. Damit zählte dieses Handwerk, besser: Zunftzeichen „Mundwerk", zu den ersten Studieneignungstests der Geschichte. Die Frage für jeden Karrieresuchenden lautet: „Rede ich noch oder spreche ich schon?" Reden lernen wir mit einem Jahr, gut sprechen können manche nie.
NL-Red.: Sind Standpunkte Mangelware geworden?
TL: Unsere Welt ist komplex. Das Dickicht der fortschrittlichen Erkenntnisse, Innovationen und Errungenschaften scheint undurchdringlich. Dahinter sind die Meinungen des Einzelnen vielerorts in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die häufigsten Ausreden zu aktuellen und politisch relevanten Themenstellungen, die wir auch im Trainingsalltag erleben: „Das kommt darauf an ...!", „Dazu fällt mir gerade nichts ein.", „Darüber weiß ich zu wenig." Leider wird die eigene Meinung immer öfter von der Situation und dem Gesprächspartner abhängig gemacht. Damit ist sie so wechselhaft, wie das Wetter im April. Doch die persönliche Meinung jedes Einzelnen ist heute gefragt! Demokratie braucht schließlich Standpunkte. In einer denkfaulen Gesellschaft haben es Populisten und Meinungsmacher leichter, die Karriereleiter hochzuklettern. Die Qualität des politischen Personals unseres Landes ist für viele Unternehmen essentiell. Schließlich werden durch die gewählten Volksvertreter unsere gesetzlichen Arbeitsspielregeln festgelegt.
NL-Red.: Bleibt genug Zeit, sich überhaupt eine Meinung zu bilden?
TL: Es stimmt, dass wir täglich immer mehr Entscheidungen treffen müssen - im Job und privat. Da bieten die technischen Hilfsmittel, wie Tabletts, Mails, Apps maximal mobile Unterstützung - sie können uns die Brainarbeit aber nicht abnehmen. Wer deshalb jedoch darauf verzichtet, sich qualitativ zu informieren, der beraubt sich selbst wichtiger Gestaltungsmöglichkeiten. Die politisch-strategischen Strukturen im
eigenen Unternehmen oder in der Region zu hinterfragen, ist für den mündigen
Mitarbeiter am Weg nach oben notwendig. Das Gefährlichste für Karriereorientierte
ist, wenn sie mit den operativen Tätigkeiten ihres Jobs so beschäftigt sind, dass
sie vergessen, etwas für den Wert ihrer eigenen Meinung zu machen.
NL-Red.: Warum ist das gefährlich für die Karriere?
TL: Wer sich nur um die eigene Fachexpertise kümmert und zu unternehmensrelevanten Themen nichts zu sagen hat, der wird auch seltener gefragt. - Die Gestaltungsmöglichkeiten bekommen dann andere. Führenkönnen heißt, Verantwortung übernehmen wollen. 2012 sind sicher verstärkt Mitarbeiter gefragt, die querbeschleunigen, Ansichten sprachlich bildhaft vertreten
und gedankliches Frischwasser bieten. Immer öfter geraten jene ins Out, die ihre
aufkeimende Unzufriedenheit anonym auf das Kollektiv abwälzen.
NL-Red.: Welche Rolle spielen dabei die Medien?
Zeitungen, Internet und TV sind Meinungsmacher und öffentliche Zerstäuber von Botschaften und Glaubenssätzen. Das Geschäft mit der Information gehört zu den bestbezahlten der Welt. Die Konsequenz? Erst, wenn Meinungsbildner das Medienparkett betreten und den Ton vorgeben, formt sich langsam die Haltung der Menschen, die nicht im Scheinwerferlicht stehen.
Die „Sager" und O-Töne der Identifikationsfiguren aus Politik, Wirtschaft und
anderen medienwirksamen Branchen werden vom Konsumenten gerne instantan übernommen. Der perfide Magazin-Slogan: „Wie viel Profil hat Ihre Meinung?"
suggeriert dann auch noch, dass man sich Meinungen am Kiosk kauft. Oft werden
Inhalte nach der Lektüre von Gazetten verkürzt und willkürlich zusammengemischt, Experten falsch zitiert und tendenziöse Berichterstattung betrieben. Schnell entsteht so statt klarer Überzeugung bloß indifferenter Glaube, der mit den Phasen des kritischen Meinungsbildungsprozesses nur noch wenig zu tun hat.
Auf die Basics kommt es an
von Katrin Stuflesser, Atemtechnik
Ich werde immer wieder gefragt, wie denn Verkühlungen im Herbst in den Griff zu bekommen sind. Tatsächlich sind sie einfach nur lästig. Abgesehen davon, dass man sich einfach unrund fühlt und nicht ganz auf der Höhe ist, lässt die Konzentration nach. Das Sprechen ermüdet dann mehr als sonst. Warum ist das so?
Sprechen ist eine Form um sich auszudrücken, also etwas von sich herzugeben. Das heißt wir brauchen dafür Energie. Wenn wir mit Hilfe von Fachleuten lernen ökonomischer zu sprechen, bedeutet das, dass wir Atem- und Artikulationsraffinessen kennenlernen und üben, die uns fließender, entspannter, lockerer, natürlicher Sprechen lassen - ohne Anstrengung, und so sparen wir Energie.
Eine Verkühlung zapft unseren Energiehaushalt an. Der Körper will sich reparieren und braucht die Aufmerksamkeit für den Heilungsprozess. Deshalb wollen wir im akuten Verkühlungsstadium nur schlafen. Wir sind müde, der Sprechapparat auch.
Was können wir nun konkret tun, um dem Kranksein gar nicht zu begegnen?
Hier meine selbsterprobten Hausmittel und Tipps:
Kalt - Warm
Sie sollten immer warme Füße und Hände haben. Das ist ein Zeichen für gute und sinnvolle Blutzirkulation. Bis in die Peripherie wird der Körper geheizt.
Essen Sie warme Mahlzeiten! Wenn die Umgebung kalt ist, sollte ihr Inneres warm gehalten werden. Nahrung wirkt da wie eine Wärmflasche. Es kommt aber nicht nur auf die erwärmten Speisen an, sondern auch auf das Wie.
Lieber gekochtes Gemüse, als Salate und Rohes. Lieber ein warmes Getreidefrühstück anstatt kaltem Jogurt.
Schlaf
Schlafen Sie genug! Anstatt zu jammern, dass es so schnell dunkel wird, nützen Sie die Gemütlichkeit, die sich einstellt, um ihre Müdigkeit zuzulassen und ihr nachzugeben.
Als Hilfe: essen Sie mindestens 2 Stunden vor dem zu Bett gehen nichts mehr. Sie schlafen besser und stehen erfrischter auf.
Wer kann, lege sich nach dem Mittagessen 20 Minuten aufs Ohr.
Essen
Frühstücken Sie! Am besten warm. Entweder frische Früchte als Kompott zubereitet oder Trockenfrüchte. Diese können Sie am Vorabend in Wasser einlegen.
Essen Sie in entspannter Atmosphäre und nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit. Am Abend sollten Sie weniger und leichter essen. Vor allem nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen. Wenn Ihnen das schwer fällt, versuchen Sie es nur noch mit Tee, Suppen oder warmem Wasser.
Hygiene
Natürlich wimmelt das berufliche und private Umfeld von lustigen Krankheitsüberträgern. Helfen Sie daher ihrem Körper das Immunsystem stabil zu halten. Gurgeln Sie manchmal - auch ohne Halsschmerzen - mit Salbeitee oder einfach mit Wasser. Ziehen Sie in der Früh Sonnenblumenöl 5 Minuten lang durch die Zähne. - Das zieht tatsächlich Giftstoffe aus dem Körper.
Waschen Sie sich öfter als sonst die Hände.
Bleiben Sie unermüdlich gesund!
Ihre Katrin Stuflesser aus der Atemtechnik
Trainerflut und Lehrerebbe
von Tatjana Lackner
Warum wollen immer weniger Menschen Lehrer sein, abertausende jedoch Trainer werden? Viele stecken ihre wenige Freizeit in den Erwerb von Unterrichtsnachweis-Zertifikaten, Coachingausbildungen oder Ähnliches. Jeder kennt jemanden, der anderen etwas beibringt. Mit „lehren wollen" alleine hat das offenbar wenig zu tun. Oft nützt es dem Gebenden mehr, vom Gegenüber zu nehmen: Zeit, Geld, Applaus. Anderen etwas beizubringen, sie zu unterrichten, in der Lehre zu stehen, scheint von jeher ein Upgrade in der Gesellschaft zu sein. Der „Gelehrte" war schließlich schon in der Antike eine Ausnahmeerscheinung und sicher kein Dummkopf - wenn auch nicht immer am letzten Stand der gegenwärtigen Wissenschaft. Ob die Armada von freiberuflichen Trainern und Erwachsenenbildnern heute alle nur charismatische Leuchten sind, die Frisches predigen und Klares denken ist wenig wahrscheinlich.
Wieso zählt überhaupt Erwachsene zu coachen mehr, als Kinder zu lehren? - In einer Gesellschaft, die nach Jugend giert und die Kinder als neue Käuferschicht entdeckt hat, ist dann ausgerechnet der Beruf des Wissensvermittler für den Kundenkreis „Erwachsene" besser, als für das Klientel „Kinder"? Obgleich Eltern in Summe viel mehr Geld in ihren Fortpflanz pumpen denn in die eigene Weiterbildung. Das beginnt bei der Privatschule, führt über Nachhilfe und endet bei der Unterstützung fürs Studium. Beobachtbar ist zudem der Trend: Viele Lehrer wollen mit beiden Beinen raus aus dem verschulten Unterrichtssystem und wenigstens mit einem Fuß hinein in die Tür der Erwachsenenbildung.
Die neue Zielgruppe erscheint anspruchsvoller, als die Schulkinder - selbst wenn es sich um eine Volkshochschule handelt. Lieber ein 2. Standbein dort, als zwei bewegliche im Klassenzimmer. Geben die Großen mehr Satisfaktion, als die Kleinen? Ist es alleine das Faktum, dass der Lehrplan neugieriges Lernen verunmöglicht und man lieber zu Interessierten und - vor allem - Freiwilligen spricht, als zu Schulpflichtigen? Sogar die Fachvokabel klingen hinter den Kulissen des Staates verstaubter, als am freien Markt: die „pädagogischen Fähigkeiten" sind in der Wirtschaft seltener gefragt, in Seminaren spricht man lieber von methodischen Skills. Die Erlebnispädagogik ist im Korsett des Zeitdrucks im Schulwesen sicher nicht ganz so prall, wie in freien Trainings. Wer will schließlich schon ein „Lehrkörper" sein - in einer Klasse in der nicht einmal der Heizkörper wärmt.
Das Thema „Lehrer versus Trainer" ist sicher auch von der gesellschaftlichen Akzeptanz vielschichtig. Der Trend zieht nur in eine Richtung: Noch nie hab ich von einem Trainerkollegen gehört, der nach Jahren im Business ins schulische System möchte. - Im Gegenzug dazu kommen schon seit Jahren sympathische Lehrer in die Schule des Sprechens, um sich umschulen zu lassen: durch die anspruchsvolle Trainerausbildung in unserem Hause haben schon viele Trainerkarrieren auf dem Markt gestartet. Aus unseren Absolventen ist stets etwas geworden. Das Geheimnis liegt an der Verknappungstaktik im - sich laufend optimierenden - Ausbildungskonzept: Pro Jahr werden nicht mehr als 9 Bewerber aufgenommen!
Mehr Infos unter: www.sprechen.com
Der sechste Sinn
von Katrin Stuflesser, Atemtechnik
Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken - jeder kennt die fünf Sinne des Menschen. Der Körpersinn dagegen ist weitgehend unbekannt. Denn nur selten wird uns bewusst mit welcher Macht er unseren Körper regiert. Erst durch plötzliche Schicksale wie Unfälle oder Autoimmunerkrankungen, Sinnesnerven aus Muskeln, Sehnen und Haut unterhalb des Genicks (Nervenbahnen) vernichtet werden, (mit deren Hilfe nimmt das Gehirn Haltung und Bewegung wahr) setzt der sechste Sinn aus und lähmt uns. Ohne unseren Körpersinn könnten wir weder geschmeidig gehen, noch Fahrrad fahren, weder Sport treiben, noch im Dunkeln hantieren.
Und nicht nur unseren Körper erfühlt dieser sechste Sinn: mit ihm spüren wir, wie der Sessel, auf dem wir sitzen, geformt ist. Wir können schätzen wie viel noch im Milchpackerl ist, wenn wir es aufheben und schütteln.
Dieser Sinn informiert uns über Masseverteilung, Schwerpunkt und Balance, darüber, welche Wirkung welche Kräfte auf Bewegung haben. Mit seiner Hilfe navigiert der Kellner die heißen Getränke geschickt durch das vollgestopfte Kaffeehaus. Der Körpersinn lässt Werkzeuge wie Messer und Gabel, Hammer oder Schere, sogar das Auto zu Körperteilen werden. Einen Pinsel spüren wir bis in die Spitze.
Anders als beim Hören oder Riechen hat der Körpersinn kein spezifisches Organ. Wir nehmen den Körper und seine Haltung mit mehr Teilsinnen wahr: Mit dem Tastgefühl und dem Gleichgewichtssinn, vor allem aber mit den sogenannten Tiefensensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Diese winzigen Messstationen informieren unser Gehirn dauernd über Stellung, Spannkraft und Bewegung der Körperteile.
Wie gehen wir mit diesem sechsten Sinn um?
Ziemlich unbewusst. Er läuft nebenbei, solange er keine Probleme macht. Fördern und unterstützen können wir ihn, indem wir mit bewussten Atemübungen trainieren uns wieder selbst zu spüren. Denn bei Atemübungen kommt es immer auf eine feine Koordination von Bewegung und Atmung an. Wir schulen die Eigenwahrnehmung und erspüren unsere Grenzen.
Viel Spass bei Ihren Atemübungen wünscht Katrin aus der Schule des Sprechens.
Schwarze Rhetorik - Erkennen Sie die Killerkönige?
von Tatjana Lackner
Killerphrasen gibt es wie Sand am Meer. Wir alle haben schon welche „geschenkt" bekommen und selber auch verteilt. Üblicherweise betrachten wir im Rhetorik-Training gelungene Methoden, um souverän zu kontern. Heute geht es jedoch um die Absender solcher Mundtotmacher. Manchmal erkennen Sie bereits wie sich Ihr Gegenüber gibt, woher der Wind weht. Alle genannten Typen kommen natürlich sowohl in Rein- als auch Mischkultur vor und zwar sowohl in männlicher, als auch weiblicher Form. Nachdem die Bundeshymne gegendert wird, können sich auch die „Töchter versöhnlich" stimmen. Wie wäre es übrigens gewesen mit: „Heimat bist Du großer Kinder"?
In diesem Sinne: „Heiß umfehdet, wild umstritten - stehen bei Killerphrasen Sie in der Mitten". Hier leiste ich gerne Erste Hilfe:
1. Der Ignoranzler
Im Lateinischen bedeutet der Begriff „ignorare" beschränkt bzw. unwissend zu sein.
Dem Proletariat anzugehören war, historisch betrachtet, zu manchen Phasen sogar erstrebenwert. - Heute hat die Bezeichnung „Prolet" keine positive Konnotierung und beschreibt Menschen, die eher bildungsschwach, dafür aber milieuauffällig sind. Grammatik- und Fallfehler pflastern ihren Kommunikationsweg. Im Leben bewegen sie sich wie andere beim Autofahren: Entweder sie biegen links oder rechts ab, oder ihr Weg führt sie geradeaus. Was soll dabei schwierig sein? Gerne vertonen sie ihre einfachen Lebensformeln bei jeder Gelegenheit und geizen auch nicht mit kernigen Tipps, wie man wodurch zu seinem Recht kommt. Ihre bodenständige Entscheidungsstärke lässt sie in den Niederungen des Alltags gar nicht dumm dastehen, auch wenn ohne Lupe klar ist, dass die Basis ihrer Überlegungen zu wesentlichen Fragen des Menschseins überschaubar bleibt. In philosophische Grauzonen stoßen sie selten vor. Geparkt wird lieber in geselliger Runde bei lauter Musik. Ignoranzler machen keinen Hehl daraus, dass sie vom Reflektieren nicht so viel halten.
„Sagst Du mir, wofür soll ich wählen gehen - interessiert die da oben meine Meinung? Bist Du so naiv, dass Du das wirklich glaubst?"
2. Der Spalter
Das krasse Gegenteil ist, sprachlich betrachtet, der Spalter. Um Menschen und ihre Meinungen unbemerkt „auseinanderdividieren" (zusammendividieren geht ohnehin seltener ;-)) zu können, muss man geistig rege und inhaltlich aufmerksam sein. Wie ein Fuchs liegen Spalter auf der Lauer, um im Redefluss des anderen einhaken zu können und gegen den Richtungsstrom der vorgebrachten Argumente zu schwimmen. Diese Oppositionsrhetoriker sind geübte Redner, was sie auch gefährlich macht. Ehe man es sich versieht wird das Gesprächsklima rauer und der Konsens ist perdu. Spalter geben stets vor, an einem inhaltlichen Kompromiss interessiert zu sein, doch das täuscht. Ihre Kommunikationslinie dient alleine ihrer Eitelkeit. Der von ihnen wie durch unsichtbare Hand geschürte Unfrieden ist beabsichtigt. Für die Harmonizer am Tisch mag Dissens (= Gegenteil von Konsens) ein Tabu darstellen. Spalter fühlen sich erst dort zuhause, wo sprachlich seziert wird und sie verunsichern können. Gerne und häufig arbeiten sie deshalb mit Killerfragen, die auf das Gewissen zielen.
„Da musst Du jetzt schon präzise in Deinen Ausführungen bleiben. Du bist Dir also sicher, dass Du um jeden Preis .. xyz .. willst?"
3. Der Dampfplauderer
Im Vergleich zum Spalter sind dies keine Klartexter, sondern wilde Schwadroneure. Ihre Stimme ist meistens wohlklingend, aber viel zu laut. Schachtelsätze, Nebenanekdoten und Storytelling-Elemente bieten ein üppiges Buffet an sprachlichem Reichtum und inhaltlicher Leere. Manchmal finden sich unter den Dampfplauderern sogar charmante Schmeichler, die jedoch jedes Kompliment zur Strapaze für die Nerven werden lassen, weil sie peinlich lange huldigen. In Gesellschaft kann es sogar image-schädigend wirken von einem Dampfplauderer süßelnd, tortengeil und voller Sprachzucker anmoderiert zu werden. Ein klares „ja" oder „nein" gibt es selten. Alles „hängt davon ab" und „kann man so einfach nicht sagen". Der Dampfplauderer ist ein Relativist. Ohne Mut zur öffentlichen Positionierung ist er ein geborener Opportunist, der in die „eine Hand wäscht die andere"-Mentalität der Freunderlwirtschaft gut passt. Gerne behält er sich ein Eisen im Feuer und die berühmte Hintertüre offen, während er lauthals über ungelegte Eier tönt. Die Gesprächsanteile und -themen reißt er gerne an sich. Seine Alleinunterhalter-Attitüde wird für andere zum Gesprächskiller.
„Was Sie sagen stimmt und erinnert mich an meine letzte Reise in die Toskana. Ich kann Ihnen sagen bla, bla ..."
4. Die G'schnappige
Ohne optische Klischees zu bemühen ist die G'schnappige tatsächlich schmallippig, nicht nur in der Gesprächsatmosphäre. Die Stimmen dieser Frauen sind sehr häufig viel zu hoch bei der schnippischen, täglichen Verwendung. Es geht ihr offenbar darum, professionelle Zickigkeit zur Schau zu stellen, die besagt: „mit mir ist nicht gut Kirschenessen, ich nehme es im Leben peinlich genau". Dahinter liegt neben Unsicherheit auch häufig eine sehr einfache Herkunft, von der sich Madame durch alleiniges Ärmelhochkrempeln hochgearbeitet hat. Manche haben sich auch wahlweise gescheit studiert, woraus sie auch keinen Hehl machen. Understatement passiert ihr eher, meistens ist sie es, die völlig distanzlose Fragen stellt und dem Gegenüber pseudo-taff auf den Zahn fühlt. Mit Humor kann - besonders ein Mann - die G´schnappige manchmal aus ihrer Inquisitorinnen-Rolle holen. Andernfalls muss sie jedem Kellner noch irgendeine Extrawurst abringen, um sich zu inszenieren. Fast jede Gelegenheit ist recht, um sich kapriziert zu geben - obgleich niemanden am Tisch das Gefühl befällt, die G'schnappige wäre „etwas Besseres", schon allein ihrer Sprache wegen. Eher hält man sie für „etwas Gespannteres", was sich an den dauer-angespeisten Mundbewegungen deutlich ablesen lässt. Ihr permanenter Beschwerde-Modus kann nerven, ebenso, wie ihr körperliches Gezappel und das gezischelte Schnelltexten. Da nützen auch die Prada-Schuhe, falls vorhanden, und die grundsätzlich ansprechende Figur nichts. Die G'schnappige hat Sympathiefaktoren, die gleich neben dem Humor im Keller geparkt sind. Vorsicht vor ihren Killerfragen! Die haben es in sich. Stimmt man der G'schnappigen zu, verwendet sie ihr Zitat ungeniert dort, wo sie es braucht. Enthalten Sie sich jedoch der Aussage, dann empfindet sie das als illoyal. Oft häkelt sie Fanghaken in ihre scheinbar harmlosen Motzereien:
„Na, finden Sie das hier ein klasses Ambiente? Ich meine, wir zahlen 3.000 Euro für den Abend. Da kann sich meine Firma schon etwas anderes erwarten. Na, sagen's finden Sie das denn nicht?"
5. Der Verharmloser
Dieser Typ ist Marke: ordentlich, brav und farblos. Das Einzige, was ihn nicht zum viel glamouröseren Spalter werden ließ, ist seine Langeweile. Ein braver Techno- oder Bürokrat, der stets sein eigenes Süppchen kocht und sich gerne mit dem Nimbus umgibt privat anders und vielschichtiger zu sein. Nachdem man das im Geschäftsleben nicht kontrollieren kann, kommt er damit durch. Seine Sprache ist leblos und bildleer, eines hat er jedoch kultiviert: Er widerspricht gerne, um dann zu verharmlosen: „Na, so arg hab´ ich das aber gar nicht erlebt." Nachdem er selbst wenig inhaltliche Reißer zu berichten weiß, macht er „wenigstens" anderen die Buchstabensuppe salzig, indem er die unterbricht, die für die Gesprächsatmosphäre verantwortlich zeichnen. Er klinkt sich nicht ins Gespräch ein, um dieses voranzutreiben oder ergänzende Bonmots abzugeben. Nein, der Verharmloser unterbricht alleine deshalb, um Belangloses entgegenzustellen. Das lässt ihn neutral und objektiv wirken und diesen Status genießt er sichtlich. In Wahrheit stellt er Kommunikationssperren auf, die andere wieder umschiffen müssen, um das Gespräch - zu dem er außer stoischem Nicken und einem flüchtigen Lächeln wenig beiträgt - erneut in Gang zu bringen. Er ist der geborene Miesepeter, der im Vergleich zu der G'schnappigen jedoch sogar fürs Z'wider sein zu wenig Power hat. Deshalb hat er sich darauf spezialisiert Gespräche nicht inhaltlich zu torpedieren, sondern zu interruptieren. Gerne korrigiert er und stellt Informationsfragen, die weder dem Gesprächsverlauf helfen, noch von allgemeinem Interesse sind. Am liebsten formuliert er No-Na-Aussagen und andere Binsenweisheiten.
„Geh, Du übertreibst wieder. Mir hast Du gesagt, Dein Urlaub war vor 2 Wochen, jetzt ist er in Deiner Schilderung schon 3 Wochen her. ... Und so schlecht war das Wetter in Südtirol gar nicht. Wir haben die wenigen Sonnenstunden sehr genossen. Man kann sich ja auch drinnen erholen."
Herbst
von Susanne Lèfevre, Sprechtechnik
Der Herbst zeigt sich heuer von seiner schönsten Seite. Woher Begriffe wie Herbst, Wind oder Altweibersommer stammen und vor allem, wie sie ausgesprochen werden, erfahren Sie jetzt:
Das Wort Herbst hat sprachgeschichtlich denselben Ursprung wie das englische Wort „harvest" (= Erntezeit), das lateinische „carpere" (= pflücken, Ernte) und das griechische „karpós" (Frucht, Ertrag). Ursprünglich kommt es vom indogermanischen Verb „sker" (= schneiden). Der Begriff Herbst bedeutet „Zeit der Früchte", „Zeit des Pflückens", „Erntezeit". Während diese landwirtschaftliche Bedeutung im Englischen erhalten blieb, bezeichnet der Herbst im Deutschen allgemein die Jahreszeit.
Zur Aussprache: Das „h" - weil am Wortanfang - wird als Hauchlaut artikuliert, „e" wird kurz und offen (wie „ä") gesprochen, das „r" wird hörbar rollend ausgesprochen, „s" ist stimmlos und „t" mäßig verhärtet.
Wind bezeichnet in der Meteorologie eine gerichtete stärkere Luftbewegung in der Atmosphäre, ein physikalischer Vorgang. Die Bezeichnung ist abgeleitet vom indogermanischen „ue" (= wehen, blasen) und dem althochdeutschen „wint".
Zur Aussprache: „w" ist als klingende Vibration an den Lippen zu spüren und entspricht im Sound dem Wesen des Windes (wwwwwwwww..... ist das, was man bei Sturm um die Ecken pfeifen hört). „i" wird kurz und offen gesprochen, „n" vibriert als Nasalklinger stark in der „Maske" des Gesichts, „d" wird - weil am Wortende - als hartes „t" artikuliert.
Der Altweibersommer neigt sich leider gerade dem Ende zu. Im Spätjahr, oft im September, genießen wir einen Zeitabschnitt gleichmäßiger Witterung, der sich durch ein Hochdruckgebiet, stabiles Wetter und ein warmes Ausklingen des Sommers auszeichnet. Das kurzzeitig trockenere Wetter intensiviert den Laubfall und die Laubverfärbung. Der Name leitet sich von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. „Weiben" bezeichnete im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben. Wegen der lautlichen Ähnlichkeit wurde dieser Begriff vermutlich volksetymologisch zu Mädchen umgedeutet. Im Volksglauben wurden diese Spinnweben auch für Gespinste von Elfen, Zwergen oder der Nornen gehalten. Weitere Bezeichnungen sind Frauensommer, Mädchensommer, Mettkensommer, Metjensommer, Witwensömmerli, Liebfrauenhaar und fliegender Sommer. Im Volksglauben nahm man an, dass es baldige Hochzeit verheißt, wenn sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfangen.
Zur Aussprache: Kurzes, offenes „a", „l" wird ohne Druck am oberen Gaumen gebildet (hinteres „l"), „t" wird aspiriert, d.h. behaucht gesprochen, stimmhaftes „w", „ei" wird als „ae" artikuliert, weiches stimmhaftes „b", die Endung „-er" wird nicht mit „r", sondern mit dem sogenannten Schwalaut gesprochen, „s" ist ein stimmhaftes Summen, „o" klingt kurz und offen, „m" wird mit locker geschlossenen Lippen gesprochen und die Endung „-er" wird wieder als Schwalaut artikuliert.

Bildquelle: Carina Fürnkranz
5 S von Toyota in New York (Teil 2)
Interessanterweise war es ein Amerikaner, der die Grundlage für die 5-S-Methode von Toyota in Japan lieferte. Mit seinem Qualitätsmanagement stieß der Physiker William Edwards Deming im eigenen Land jedoch auf taube Ohren. Er war überzeugt davon: „Experience, without theory, teaches management nothing about what to do to improve quality and competitive position." So gesehen zählt er zu den ersten Qualitätsmanagern - und das im Amerika der 1940er Jahre.

Bildquelle: Tatjana Lackner
Blickt man sich heute um, im Big Apple, Tatjana war unlängst wieder vor Ort, dann erkennt man, dass der amtierende Bürgermeister Michael Bloomberg seinem Vorgänger Rudy Giuliani eine ganze Menge an Vorarbeit verdankt. Als Rudolph Giuliani 1994 die Stadt als Bürgermeister übernahm war die Kriminalitätsrate extrem hoch, die Stadt ertrank im Unrat und New York war in jeder Hinsicht ein gefährlicher Boden. Man mag über seine republikanische Law-and-Order Politik denken, wie man will. Rudy Giuliani begann mit SEIRI, er räumte auf, das betraf die Neuorganisation der Müllabfuhr ebenso, wie das Zerschlagen wesentlicher Teile der Mafia. Seine Nulltoleranz-Strategie brachte ihm 2001 die Auszeichnung „Person of the Year" im Time Magazin.
Er führte eine organisierte Polizeiüberwachung ein, die Kriminalitätszahlen sanken um 57% und selbst seine Kritiker wurden leiser. Die Stadt ordnete sich neu und gewann im Zuge dieser SEITON-Maßnahmen nach und nach an Lebensqualität.
In der SEISO-Phase band er die New Yorker Bevölkerung mit ein. Jeder war angehalten Schmutz zu vermeiden und die Straßen sauber zu halten. Es gab wesentlich weniger Graffitis auf den U-Bahnen und langsam fühlten sich die Menschen auch nachts wieder sicherer in ihren Wohngebieten. Im SEIKETSU-Modus angekommen, konnten erstmals auch die Touristen wahrnehmen, dass sich die New Yorker verstärkt um die Behübschung und Begrünung in den unterschiedlichen Wohnvierteln bemühten. Es gab eine Reihe von geförderten Ideenwettbewerben unter Landschaftsplanern, Architekten und anderen Stadtgestaltern. Das alles diente dem Image der Metropole und half mit, dass sich die eigene Bevölkerung wieder stolz mit dem Big Apple identifizierte. Die Grundstückspreise stiegen und es war langsam wieder erstrebenswert im Großraum von New York zu wohnen und nicht, wie bisher, ins angrenzende New Jersey auszuweichen. In der zweiten Amtszeit konnte Rudoph Giuliani seine SHITSUKE-Arbeit nicht mehr zu Ende bringen. Die Terroranschläge des 11. September 2001 fielen in das Ende seiner Zeit als Bürgermeister, der sich selbst als „Change Agent" bezeichnete. Klar ist jedoch, trotz der Aufräumarbeiten, die anstanden hat Michael Bloomberg 2002 von ihm eine deutlich sicherere Stadt übernommen, die nicht nur den schrecklichen Terroranschlag, sondern auch viele positive Veränderungen hinter sich gebracht hatte. Verbesserung wollen wir alle, Veränderungen nur die wenigsten - die werden in den nächsten Jahren aber auch im good old Austria anstehen!


