Buchbesprechung
von Tatjana Lackner
Bei den Geburtstagsfesten in der Schule des Sprechens werden kreative, hippe und oft sehr anregende Geschenke überreicht. Tatjana bekam zuletzt gedanklich kontroversielle Stunden von Nika Triebe (Rhetorik) geschenkt - in Form des Buches: „Das Ende der Normalität – Nachruf auf unser Leben, wie es bisher war“. Gabor Steingart ist Chefredakteur der deutschen Tageszeitung „Handelsblatt“ und Wirtschaftsjournalist. Früher sei auf den Status Quo Verlass gewesen. Die Kirche war noch eine Instanz, Eltern blieben noch ihrer Kinder wegen zusammen und gesellschaftliche Normen galten noch etwas. Heute ist die Treue zur Automarke größer, als die zum Ehepartner, aus dem Beruf wurde ein Job und das Wort „Zukunft“ mache eher Angst, als Lust. - Steingart beschreibt mit blumigen Worten und bildreichen Beispielen, was sich alles gewandelt hat. Das macht er sehr gut. Dennoch dient diese Lektüre maximal so kurzfristig, wie ein frischer Burger. Man ist unmittelbar befriedigt, aber nicht zufrieden satt. Auf Amazon beschwert sich einer der - meist kritischen Rezensenten - zu Recht: „ … In seiner dicht gedrängten Reihung von Beispielen waren auch so manche „Aha!"-Momente dabei. Leider baut der Autor auf diesem Grundgerüst nicht auf und vergisst, daraus wesentliche Lehren zu ziehen. Die letzten Kapitel des Buches, in denen er dies versucht, blieben für mich unter dem Strich ohne substantiellen Erkenntnisgewinn. …“ Insgesamt ist das Werk nun in der 3. Auflage und hat mit 3 von 5 Sternen nicht gerade abgeräumt.
Fazit: Viele gute Ideen zu wenig in die Tiefe gedacht. Wer dann noch auf Youtube geht, wird vom quasselden Autor mit den unsympathischen Mundbewegungen noch enttäuschter sein. Es gibt Menschen, die deutlich spritziger schreiben, als sie reden. Da könnte Lapcom helfen :-)!
Preis: ab €8,99
Das Megatrend Prinzip
Buchtipp von Tatjana Lackner
Rechtzeitig zum proklamierten Weltuntergang ist er da - der neue Horx. Ein Zukunftsforscher, der im Apokalypse-Jahr über Morgen reden will, muss ein Optimist sein! Seine Kritiker haben Recht: ja, er ist wieder positiv gestimmt und „noch nie hatten wir's so gut, wie jetzt ..." Und es tut diesmal sogar wohl. Während die ganze Welt sudert, malt Matthias Horx im optisch wenig ansprechenden Buch ein gelungenes Länderbild nach dem anderen. Von Russland über Schweden bis zur Insel Nauru erfährt der Leser viel für €22,99. Natürlich ist Horx auch wieder populärwissenschaftlich unterwegs. Das ist auch sinnvoll so, denn gerade populus, also das gemeine Volk, sollte ihn diesmal inhalieren, wie eine frische Brise. Wenn ihn nur wieder die ganz G'scheiten lesen, um lapidar und völlig richtig festzustellen: „wer einen Horx gelesen hat, kennt auch die anderen" - dann wird es keinen Urlaub vom Zukunftsjammer geben. Solange der geschichtliche Rückblick des Durchschnittspopolus ... äh, poplig, einfach: Po .. gesünder erscheint, als der Ausblick, solange werden wir uns marode fühlen. Horx Plakate sind durchaus groß: ein westlicher Durchschnittsverdiener hatte einen geringeren Lebensstandard, als heute ein Hartz-IV-Empfänger!
Bildquelle
Wissen Sie, wo der Barthel den Most holt?
Buchtipp von Susanne Lefèvre
Warum „schütteln wir etwas aus dem Ärmel", wenn wir locker in schwierigen Situationen Lösungen finden? Ist es eine „Binsenweisheit", dass „Blut dicker als Wasser" ist und warum „geht es uns an die Nieren", wenn uns jemand „übers Ohr haut"? Wenn Sie wissen wollen, wieso wir uns abends „in Schale werfen", weshalb „die Gesellschaft Stützen hat" und was damit gemeint ist, wenn es jemand „faustdick hinter den Ohren" hat, werden Sie mit diesem Buch sicher bald „auf Wolke sieben" schweben.
Die Duden-Redaktion, unter der Leitung des verstorbenen Dr. Rudolf Köster hat mit dem Band Redensarten ganze Arbeit geleistet. Auf unterhaltsame Art geht man hier altbekannten Redensarten auf den Grund und fördert überraschendes wie verblüffendes Wissen zu Tage, das oft über Jahrhunderte verloren gegangen ist.
Die Kunst des klaren Denkens
Buchtipp von Tatjana Lackner
Gerne gönnt man Rolf Dobelli, dem Schweizer Unternehmer, Berufspiloten und Autor seinen Erfolg. Der Luzerner „Hansdampf-in-allen-Gassen" schafft es mit seiner Firma getAbstract Managerliteratur von mehreren hundert Seiten auf nur 5 zu kürzen und verdient als selbsternannter Chefredakteur mit diesen destillierten Essenzen sein Geld. Das sechste und aktuelle Buch „Die Kunst des klaren Denkens" ist leicht lesbar geschrieben, auch wenn sein Schreibstil eher trocken und wenig sprachvirtuos anmutet. Darin widmet er sich 52 Denkfehlern, die für den modernen CEO durchaus relevant sind. Die Spanne reicht von der Erklärung unseres angeborenen a) Social Proof, dem Herdentrieb, über den b) Overconfidence-Effect bis hin zum c) Auswahl-Paradoxon und vielen anderen Bias. Demnach beeinflusst die Gruppenentscheidung viel öfter unser Individualgehirn, als wir meinen.
a) Social Proof
Als wir vor mehr als 50.000 Jahren mit unseren Jäger-und-Sammler-Freunden in der Serengeti unterwegs waren war die Gruppenentscheidung oft lebensrettend. Wenn plötzlich alle Kumpels nach links abbogen, so blieb das Individuum selten stehen, um sich an der Stirn zu kratzen und selbst zu entscheiden, ob das angreifende Tier wie ein Löwe aussieht. Wer anders handelte ist oft aus dem Genpool verschwunden. Heute sieht die Sache sicher anders aus, wer in der Masse untergeht hat auch verloren.
b) Overconfidence-Effect
Der Overconfidence-Effect misst den Unterschied zwischen dem, was Menschen wirklich wissen und dem, was sie denken zu wissen. Überraschend dabei, dass dieser Selbstüberschätzungs-Effekt vor Experten ebenso wenig halt macht, wie vor uns übrigen. Ein Ökonomieprofessor liegt demnach bei einer Fünfjahresschätzung des Ölpreises genauso falsch, wie ein Nichtökonom.
c) Auswahl-Paradoxon
„The Paradox of Choice" - Ja, Auswahl zu haben macht glücklich. Es gibt allerdings eine Grenze, bei der ein Zuviel die Lebensqualität vernichtet und uns in die Knie der „inneren Lähmung" zwingt. Ein Supermarkt stellte 24 Sorten Konfitüre zum Probieren auf. Die Kunden konnten nach Belieben kosten und mit Rabatt kaufen. Am folgenden Tag führte der Supermarkt dasselbe Experiment mit nur sechs Sorten durch. Das Ergebnis? Es wurde zehnmal mehr Konfitüre gekauft. Fazit: Ist das Angebot zu groß, kann sich der Kunde nicht entscheiden und kauft nichts.
Rolf Dobelli
"Die Kunst des klaren Denkens"
Hanser Verlag, € 14,90
Bei Amazon
Buchempfehlung
von unserem Workshop-Lektor Miguel Herz-Kestranek
Sprache ist Chefsache!
Buchtipp von Nika Triebe
Texten wie ein Profi: Ein Buch für Einsteiger und Könner. Mit über 5.000 Wort-Ideen zum Nachschlagen!
Hans-Peter Förster
Frankfurter Allgemeine Buch
Die Grenzen unsere Sprache sind auch die Grenzen unseres Denkens, meinte bereits Schopenhauer. 3.500 Wörter etwa umfasst unsere Umgangssprache. 100 zählt der Wörterfundus bei der Hälfte aller Brieftexte. 50 Wörter sind die meistgebrauchten unserer Sprache, etwa 45% Prozent jedes Textes.
Ist der Schluss zulässig, dass unser Denken ganz hübsch begrenzt ist?
Sprechen lernen durch's Schreiben, das geht! Überlassen wir wichtige Texte ausschließlich externen Agenturen, besteht die Gefahr auch das Denken auszulagern. Selbstverständlich müssen Professionisten einbezogen werden, doch bitte immer mit kritischen, offenen Ohren und Augen dranbleiben! Die Endabnahme muss Chefsache bleiben. Coporate Wording spiegelt die Kultur eines Unternehmens nach innen und nach außen wider.
Um dem Einheitsbrei der Slogans und Nullaussagen zu entrinnen, zahlt es sich aus, Zeit und Geld in das Arbeitsbuch von Hans-Peter Förster zu investieren. Hier geht es zwar vordergründig um das professionelle Texten, doch die Auseinandersetzung mit der Thematik bereichert den verbalen Sprachschatz genauso. Sie werden es erleben!
Das Handbuch von Hans-Peter Förster bietet: Textideen, Schlag auf Schlag für Eilige, Anleitungen und Tipps für Anzeigentexte, Broschüren und Mailings für Anfänger und Könner, Tests zur Analyse und Übungen zur Positionierung Ihres Unternehmens für Strategen. Einen Kompass zur Ausrichtung der Texte nach Zielgruppen für Profis. Ein Baukastensystem zur individuellen Erstellung eines Wort-Portfolios für Ihr Unternehmen auch für den Trainee und den Vorstand. Ein eigenes Wörterbuch mit über 5.000 Wort-Ideen zum Nachschlagen für die, denen manchmal die Ideen ausgehen.
Das Ziel: die deutliche Wahrnehmung Ihres Unternehmens am Markt über dem Pegel der Informationsflut. Ein Buch für Einsteiger, Könner und solche, die den Kopf für die Inhalte hinhalten müssen.
In diesem Sinne: Gute Worte!
Buchtipp
von Tatjana Lackner
Ich habe dieser Tage von einem Kunden ein sehr gelungenes Abschiedsgeschenk bekommen anlässlich seines Trainingsabschlusses. Er wusste, dass ich im Rahmen meines MBA-Studiums gerade eine Prüfung in Wirtschaftsethik abgelegt hab. Seine geheimnisvolle Buchwidmung„Tatjana, Du warst es mir Wert - jetzt bin auch ich mehr wert!" hat eine Menge mit der wirtschaftsethischen Kernfrage des Buches zu tun.
Eine Niere bekommt man in Indien für 300 Euro, ein afrikanisches Adoptivkind »kostet« mit allen notwendigen Papieren 20.000 Euro, eine Frau ist in Albanien unter Umständen schon für 800 Euro zu haben. Hieß es nicht immer: Der Mensch ist keine Ware?
Der Leser begibt sich mit dem Autor auf eine Preisermittlung in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Sein volkswirtschaftlicher Wert wird ebenso beleuchtet, wie die Lebenshaltungskosten oder die gesundheits-ökonomischen Kosten. Neben sehr ernsten ethischen Themen gibt es auch immer wieder Stoff zum Schmunzeln. Der Hintern von Frau Lopez etwa, ist achtmal wertvoller, als ihr Gesicht - versicherungstechnisch.
»Was bin ich wert?«: Mit dieser Frage hat sich Jörn Klare auf eine sehr persönliche Recherche-Reise ins Reich der Menschenwert-Berechner gemacht. Sie führt ihn auf Ämter und ins Gefängnis, zu Politikern und Philosophen, zu Ärzten und Gesundheitsökonomen, aber auch zu seiner kleinen Tochter. Ganz am Ende steht eine konkrete Zahl, auf Euro und Cent genau. Und die Erkenntnis: Die Würde des Menschen ist antastbar - zumindest wenn es sich »lohnt«.
Jörn Klare im Spiegel-Interview:
Warum sprechen Personalabteilungen vom „Humankapital" und wieso zahlen Versicherungen für tote Banker mehr, als für Feuerwehrmänner?
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703598,00.html
"Was bin ich wert?, Jörn Klare
Suhrkamp Verlag
ISBN-13: 978-3518462621
Tatjana zu Gast in der Philosophischen Praxis
Eugen Maria Schulak begrüßt seine Gesprächspartner schon am Treppenabsatz des letzten Stocks in der Wiener Schlösslgasse. In Ermangelung eines Lifts schnauft der wissbegierige Besucher ganz nach oben, passiert im Altbauflur viele Pflanzentöpfe und betritt eine kleine Wohnung - ein Schritt und man steht in der Küchenzeile, zwei Biegungen weiter erwartet den Staunenden ein dunkler, schummrig beleuchteter Raum mit mindestens 5 Aquarien. Ganz viele Bücher und ein selbst gesammelter echter Totenkopf machen kurz beklommen. Bei Ausgrabungen habe man den gefunden und "der war halt so schön, er hat noch so viele Zähne, drum hat der mir am besten gefallen." Wer besucht die Philosophische Praxis? Laut dem "Doktor der Gedanken" und Begründer dieses Zimmers: "Alle, die eingefahrene Denkmuster kontrollieren oder konkrete Lebenssituationen durchdenken möchten." Tatjana nahm sich zwei Stunden Zeit, um über moderne Philosophische Ansätze ebenso, wie über Platon & Co zu reden. Eine Mischung war's zwischen dem gewünschten philosophischen Abriss durch die Jahrhunderte und der Sinnhaftigkeit, heute noch Beziehungen zu führen. Gemeinsam kam man zur Erkenntnis: „Der Relativismus ist die Epidemie in der heutigen Zeit. Jede Meinung hat leider mittlerweile Gültigkeit. Kaum gibt es Klartexter, die zwischen *richtig* und *falsch* unterscheiden. Alles ist schließlich in einer Demokratie erlaubt und führt zu Allgemeinaussagen, wie: 'das ist eben meine Meinung'." Wer sich um Gedankenschärfe und Profil bemüht, gilt bereits als reaktionär. Zum Abschluss widmete Eugen Maria Schulak Tatjana sein Buch. Beziehungsvoller Titel: "Wenn Eros uns den Kopf verdreht". Resümee: Die philosophische Praxis klingt Erkenntnis-versprechender, als das Gespräch mit dem rauchenden Moralisten. Sein Buch ist allerdings definitiv empfehlenswert und viel witziger und wortgewandter als das Livegespräch.
Buchtipp von Tatjana
Sexuelle Untreue: Was sagen eigentlich diejenigen dazu, deren Aufgabe es ist, die Welt zu erklären und zu verstehen: die Philosophen? Ein amüsantes, geistreiches, die Tiefen des Menschen auslotendes Buch, eine Reflexionshilfe, ein Nachschlagewerk für aktiv und passiv Betroffene.
Die Autoren haben die Literatur von Platon bis Kant, von Nietzsche bis Hegel durchforstet und die großen Bedingungen für Treue und Untreue herausdestilliert. Daraus ist ein vergnügliches und verständliches Werk entstanden, in dem sich auch schalkhafte Anmerkungen finden, doch niemals wird der moralische Zeigefinger erhoben.
Wenn Eros uns den Kopf verdreht: Philosophisches zum Seitensprung
Harald Koisser, Eugen Maria Schulak
Verlag: Orac, 1. Auflage
ISBN-13: 978-3701504800
Buchtipp mit Tatjana Lackner:
Tatjana im Deutschen Rednerlexikon ...
Wie finden Sie den passenden Redner für Ihren Kongress, das Kundenevent, eine Mitarbeitertagung oder den Impulsgeber fürs Top-Management? Wie viele ausgezeichnete Redner gibt es? Über welche Themen referieren sie? Welche Persönlichkeit passt zu Ihrem Thema, Ihrer Zielgruppe und dem Budget? Es folgt in der Regel die mühsame Recherche im Netz. Eine Adresse – viele Namen, eine Frage – alle Antworten.
... trotz: Frau und Österreich :-)
Es gibt definitiv mehr Männer in diesem Kompendium der besten deutschsprachigen Redner und darunter nicht viele ÖsterreicherInnen. Tatjana Lackner ist ganz vorne daber - vorne schon auf dem Cover! Eine ausführliche Beschreibung der tollen Kenote-Speakerin samt Kurzbiografie fehlt im Buch natürlich nicht.
"Große Redner und Rednerinnen werden uns immer in ihren Bann ziehen. Insoweit füllt das vorliegende »Deutsche Rednerlexikon« eine Lücke in unserem Land und wird zu einem wichtigen und sehr nützlichen Standardwerk werden". Dr. Florian Langenscheidt
Buchtipp von Tatjana Lackner:
Barbara Ehrenreich „Smile or Die - Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt"

... es ist ja wahr, auch mir gehen die Dauergrinser und Endlosdiskussionen ums Thema „Glück" im Freundeskreis schön langsam auf die Nerven. Jetzt gibt es „Glücksforschung" - ganz ernsthaft - bereits als eigene Wissenschaft! Was soll da die universitäre und vor allem allgemeingültige Grundlage sein? Das Geforsche rund um den privaten Happiness-Flow jedes Einzelnen? Bravo! Wie wird das empirisch erhoben und objektiv ausgewertet, bitteschön?
Meine Devise lautet: „Lieber sollen die Menschen Sinn schaffen, statt Glück finden!" Auffallend ist: wenn die Welt zu komplex wird, steigt das Bedürfnis nach Binsenweisheiten und einfachen Formeln. Eigentlich müsste das Christentum eher Members gewinnen, als sie zu verlieren: denn „10 Gebote" kann sich wohl wirklich jeder merken. Religionen verlieren, Eso-Wissenschaften legen zu. Selbst die Grantler in Wien werden zwanghaft positiver. Warum nur? Ist die eigene Endlichkeit dann leichter zu ertragen und die Gewissheit des Todes weniger schmerzhaft? Erwachsene formulieren Wünsche ans Universum - das AMS im Himmel - das nichts besseres zu tun hat, als der Frau Wamperl einen Arbeits- oder Parkplatz zu beschaffen. Dort die alte Laier: „Du musst positiver denken, sonst .... [Und hier kommt dann die jeweilige Drohung, die situativ straft]", damit der „du musst - sonst"-Satz Gewicht bekommt.
Da lobe ich mir Barbara Ehrenreich. Sie räumt mit einigen „wenn-dann"-Glaubenssätzen auf, wie wohltuend. Der Klappentext des Buches lügt nicht:
„ ‚Sei positiv! Optimisten leben länger! Der Erfolg ist in dir!' Seit Jahrzehnten künden Ratgeber und Motivationstrainer von der grenzenlosen Macht des positiven Denkens. Glück, Gesundheit, Reichtum und beruflicher Erfolg - so die Botschaft - sind für jeden jederzeit erreichbar, eine lückenlos positive Grundhaltung vorausgesetzt. Selbst schuld, wer da noch Sorgen oder gar die Ursachen seiner Probleme in der Realität vermutet. Arbeitslose erfahren, einzig der Ton ihrer Bewerbung entscheide über deren Erfolg. Selbst Krebskranke werden heute gewarnt, eine ‚negative Haltung' könne ihre Heilung gefährden.
Wie konnte aus dem harmlosen Lob einer optimistischen Lebenseinstellung eine kulturelle Glaubenswahrheit mit zunehmend zwanghaften Zügen werden? Mit kritischer Intelligenz und beißendem Spott nimmt Ehrenreich eine blühende Bewusstseinsindustire unter die Lupe, die mit ‚Positive Thinking' inzwischen Milliarden verdient. Trotz fehlender wissenschaftlicher Evidenz haben ‚positive Psychologie' und Glücksforschung inzwischen sogar die Universitäten erobert. Doch nirgendwo ist das Ausblenden der Realität stärker verbreitet als in der Wirtschaft: die Weigerung, negative Entwicklungen überhaupt ins Auge zu fassen, hat - so Ehrenreich - wesentlich zum jüngsten Crash beigetragen."



