Zukunftsfalle: Sie reden von digitaler Disruption und vergessen dabei die analoge Abruption

Zukunftsfalle: Sie reden von digitaler Disruption und vergessen dabei die analoge Abruption 

Herkunft des Wortes „Abruption“:   Fachausdruck aus der Neurologie 

Bedeutung des Wortes:   Wirksame Werbung bzw. sinnvolle Unterbrechung des Erwarteten 

Wer sein Auditorium, Workshop Teilnehmer, Vorstand, Seher, Leser, etc. begeistern möchte, der sollte zuerst einmal einen prinzipiellen Standpunkt beleuchten: Wir leben in einer ungeheuer schnellen Welt, in der es sehr schwer geworden ist, andere wach zu rütteln, zu schockieren bzw. spontan zu begeistern. Und trotzdem schaffen es gute Redner immer wieder, ihren Zuhörern die Tränen in die Augen zu jagen. Charismatische Redner nutzen das „Abruption-Geheimnis“. 

Am alten chinesischen Sprichwort ist schon etwas dran: „Was du jeden Tag siehst, wirst du bald nicht mehr sehen.“ Optische Täuschungen, Werbeplakate und Bilder bedienen sich deshalb des „Wow-Effects“. 

Obwohl der Begriff „Abruption“ ursprünglich aus der Gehirnmedizin kommt, hat er mittlerweile in der Werbung Aufsehen erregt und ist zum Star geworden. Jeder Redner kann den „Wow-Effect“ in seiner nächsten Präsentation oder Keynote Speech nutzen. Im Zuge der Digitalisierung werden die persönlichen Touchpoints weniger und daher wichtiger. Immer muss man zu Beginn um sein Publikum „werben“. 

Inhalt, Stimme und Sprache, Rede-Performance und die visuellen Hilfsmittel sind dabei Ingredienzien Ihrer Auftrittskompetenz. 

Die Neurologen erklären uns, dass Gehirnzellen aufhören zu zünden, wenn die Stimuli nicht verändert werden. Dabei geht es nicht um die pure Präsenz von Stimuli, die eine Reaktion auslöst, sondern um den Wechsel im Stimulus. – Je unerwarteter dieser Wechsel, desto intensiver die Response.“ (Mit Response meinen die Neurologen hier einen Lernprozess). Die Schriftstellerin und Lehrerin Gail Godwin sagte einst: „Lehren ist ein Viertel Vorbereitung und drei Viertel Theater.“ 

Wo liegen die Pressure Points meiner Zuhörer? 

Die akkurate Zielgruppenanalyse unterscheidet den guten Redner vom charismatischen. Vor der Präsentation überlegen Sie deshalb: 

  • Was sind die Trigger der Zuhörer? 
  • Was garantiert Hörernutzen in meiner Rede? 
  • Gibt es Glaubenssätze, mit denen die Zuhörer gekommen sind? 
  • Welche Pressure Points helfen mir beim Redeaufbau? 

Gute Präsentationsvorbereitung bedeutet, dass wir die richtigen sprachlichen Bilder wählen und unsere Frames auf die Zielgruppe anpassen. Außerdem überprüfen wir unsere Beispiele. Werden die Zuhörer damit etwas anfangen können oder wählen wir besser Beispiele aus deren Erlebnishorizont. Dafür ist es wichtig deren “natürlichen Feinde” zu kennen und für alle vier Generationen sprachliche Bilder parat zu haben. Baby Boomer (+/- 1950 Geborene) sind schließlich völlig anders sozialisiert, als die Generation X (+/- 1970 Geborene). Falls unter den Zuhörern auch jüngere Menschen erwartet werden, dann ist es besonders für die Generationen Y (+/- 1990 Geborene) oder Z (+/- 2000 Geborene) wichtig, aus deren Erlebnis- und Zeithorizont Storytelling-Elemente zu wählen. 

Fazit: Abruption bedeutet mit dem Überraschungs- und WOW-Effekt zu arbeiten. Wir wissen aus der Forschung, dass der Mensch unter Stress konservativer und die Trägheit des Gewohnten zum Feind der Kreativität wird. Deshalb: Let us be abruptive for our listeners!