Tatjana’s Blog

29. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA
Wer in der kalten Jahreszeit seinem Hals etwas Gutes tun möchte, der trinkt lauwarmes Wasser. Manche Tees, darunter besonders Früchte-Tees, lassen unsere Stimme austrocknen. Tatjana Lackner kümmert sich seit 30 Jahren um Stimmbildung und gibt hier wertvolle Tipps:
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28. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Zuletzt hat mich wieder eine Kundin gefragt: Tatjana, ist es nicht irre mühevoll gleich drei Podcast Kanäle am Laufen zu halten? Ja, es ist arbeitsintensiv – und wundervoll zugleich. Besonders “Talk mit Tatjana” braucht akkurate Vorbereitung und das Studium der jeweiligen Lektüre rund um meine Podcast-Gäste und ihre Bücher. 

Auf der anderen Seite habe ich von modernen Denkern wie beispielsweise Konrad Paul Liessmann, Matthias Horx und Renée Schroeder schon so viel gelernt, was für meinen zweiten Podcastkanal “Rhetorik: Tipps & Tools mit Tatjana” häufig themengebend und Ideenanstoßend war. Zuletzt ging es etwa um das von Mathias Horx beschriebene “Prinzip der Regnose”, an das mich im Gespräch Historiker Philipp Blom erinnerte. 

Prognose: Wir überlegen aus dem hier und jetzt, wie sich ein zukünftiges Szenario abspielen könnte. Wir wagen den Blick in die Zukunft. Bei der Regnose hingegen gehst Du gedanklich vom bereits erreichten Wunschzustand aus und überlegst, wie konkret Du bis hierhin gekommen bist. Damit schlägt man düsteren Zukunftsängsten und geistigen Denktabus ein Schnippchen. 

Für die Rhetorik kommt das einer Art Best-Case-Überlegung gleich. Angenommen, der Chef stimmt meinem Vorschlag in der kommenden Besprechung zu. Was hat er bis zu seiner positiven Entscheidung von mir an bereitgestellten Daten, Zahlen und Fakten gebraucht? Welche Argumentationsstrategie hat ihn zudem emotional am besten erreicht? 

Dabei geht es nicht darum, sich die Welt naiv rosig zu träumen, sondern die Regnose trainiert unser Bewusstsein dafür, was Menschen und Situationen tatsächlich benötigen. Wir erkennen welche Unterlagen hilfreich sind und – im Gegensatz dazu –welche Beteuerungsarien wir besser weglassen. Horx spricht hier von einer klaren Erkenntnisschleife. Wohingegen bei der Prognose mehr Ängste und Gefahren auf dem gedanklichen Weg in die Besprechung mit dem Chef lauern: “Was, wenn er feindliche Zuflüsterer hat?”, “Wer könnte mir die Idee abstechen?” Der Blick in die Zukunft wirft stets jede Menge Fragen auf. 

Ich empfehle für die optimale Vorbereitung auf eine wichtige Verhandlung, Bewerbung oder ein anstehendes taffes Meeting beides – sowohl die regnostische als auch die prognostische Herangehensweise

Fazit: Die Worst-Case-Vorbereitung ist essentiell. Denn klar sollten wir nicht einfach “vom besten” ausgehen, sondern uns schon im Vorfeld gedanklich mit möglichen Gefahren befassen. Auf der anderen Seite entwickeln Menschen tatsächlich immer weniger Ideen, weil ihnen die Lösungskompetenz abhandenkommt. Hier ist die Regnose ein probates Mittel, um rückwärts vom bereits erreichten Ziel alle nötigen Schritte zu benennen, die zum heutigen Ausgangspunkt “zurück” führen. Rhetorisch betrachtet kannst Du auf diese Weise sogar die Verhinderungs-AG im Meeting ausschalten. Es sind “die üblichen Verdächtigen”, die bei jedem neuen Vorschlag mauern mit: “Das ist der falsche Zeitpunkt”, “Wird sich nicht umsetzen lassen” oder “Wir werden fix scheitern”. Gibst Du jedoch das positiv erreichte Ziel für alle als gegeben vor, dann nimmst Du auch die Motzer auf die Gedankenreise mit und skizzierst eine klare Argumentationslinie “zurück” ins heute.  

Themen: MeetingTatjana LacknerRhetorikZieleRegnosePrognose
23. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

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21. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Beziehungen & Trennungen – rhetorisch betrachtet

Wenn man sich die berühmten fünf Phasen einer Beziehung vor Augen hält, dann lassen sich jeweils passende Aussagen zuordnen und wir können Rhetorik-Memory spielen. 

“Ich habe noch nie einen Mann, wie ihn getroffen!” verrät, dass Madame noch ziemlich verzaubert ist und kontakttechnisch wohl eher am Anfang steht. 

Natürlich hören wir uns in der Honeymoon Phase völlig anders an als in den späteren Jahren, wenn langsam die Ernüchterung einsetzt. Als sich mir eine Bekannte kürzlich schwärmend über ihren jüngsten Fang anvertraute, klang das zu Beginn noch so: „Stell Dir vor, wir haben am ersten Tag total viel geredet und wir beide hören sogar die gleiche Musik.” Aber auch: “Wir haben einfach so viel gemeinsam. Er hat genau die gleichen Ansichten wie ich und will das gleiche vom Leben.” 

Ein dreiviertel Jahr später dann, in der Ernüchterungsphase, werden kritischere Stimmen laut. Das Paar realisiert, dass der andere nicht nur Traumprinz oder Bilderbuch-Prinzessin ist: “Ja, der erste Urlaub war grundsätzlich okay, aber ich habe da auch Seiten an ihm erlebt mit denen ich mich erst anfreunden muss.” Oder: “Sie ist eine tolle Frau. Allerdings hat sie bestimmt auch ihre Ecken und Kanten.” Aussagen wie diese sind klare Indizien dafür, dass man die Honeymoon Phase verlassen und das Cocooning ein Ende findet. 

Partner werden nun mit ungetrübteren Augen gesehen, die rosarote Brille hat man abgenommen und in ein alltagstaugliches Nasenfahrrad mit Gleitsicht eingetauscht. Dabei fällt natürlich nicht nur Licht auf die geliebte Person, sondern wir entdecken jede Menge Schattenflecken und sehen manche Pore allzu vergrößert. 

Einigen Monate später zieht das Paar vielleicht zusammen und es beginnen die Millimeterkriege. Die beiden betreten nun die Macht- bzw. Kompromissphase. Da kann es dann schon mal zu Reibereien über das unterschiedliche Lebensdesign kommen und um die verschiedenen Ziele in der Beziehung. “Dein/Mein”-Spielchen gehen los: “Kannst Du mich bitte fragen, bevor Du einfach meine Sachen nimmst?” 

Mittlerweile fallen Dissonanzen im Wertesystem stärker auf: „Ich weiß auch nicht, bei deinen Eltern geht es irgendwie völlig anders zu als bei mir zu Hause. Ich bin das gar nicht so gewohnt. Bei uns wurde immer über alles geredet.”  

Der Partner wird nicht nur einzeln beäugt, sondern auch an seinem Umfeld gemessen und das kann ebenfalls zu Problemen führen: “Wann immer Du dich mit deinen Jungs triffst, wird gesoffen und du vergisst anzurufen.“ Oder: “Sag mal, ist dir der Sport wichtiger als unsere Paarzeit?” Oder: “Müssen diese Dinge immer in der Beziehungszeit geplant werden? Du solltest sowas schon mit mir absprechen.“ 

Wenn man sich über die Jahre als Paar gut zusammengerauft hat und die individuellen Beziehungsregeln ausgestritten sind, dann kann jeder aufatmen und sich endlich wieder der eigenen Persönlichkeitsentwicklung widmen. Da klingen dann bei Liebenden, die schon einige Jahre gemeinsam durchs Leben gehen, deutlich gelassenere Töne an: “Ich glaube, es ist wichtig einander genug Freiraum zu lassen”. Oder: “Das ist ein Wochenende, das ich nur für mich alleine habe und er gönnt mir das auch.” Oder: “Meine Frau ist zum Glück sehr verständnisvoll und man muss ja auch nicht dauernd aufeinander picken”. Aber auch: “Er hat seine Herrnabende und auch ich pflege meinen eigenen Freundeskreis”. 

Die fünfte Beziehungsphase gilt der Sicherheit. Man hat sich über die Jahrzehnte zusammen gestritten, Gemeinsamkeiten ausgebaut, persönliche Vorlieben gepflegt, Kinder erzogen und kann sich heute getrost darauf verlassen einen Partner zu haben, dem man blind vertraut. Es gibt längst keine Beziehungsspielchen mehr, sondern jeder darf sein, wie er ist und wird vom anderen genauso akzeptiert. Das knisternde Strohfeuer der ersten Jahre ist zu einem warmen Kaminfeuer geworden. Paare erleben eine wertvolle Vertrauensbeziehung, die Zuneigung ist stärker geworden und die beiden sind aufeinander eingespielt. Das Paar möchte auch weiterhin zusammen durch Dick und Dünn gehen und genießt die tiefe Vertrauensebene, die sie sich geschaffen haben. Und ja, das war Arbeit – aber eine, die sich lohnt. 

Wenn es jedoch in dieser Sicherheitsphase zu Verletzungen, Seitensprüngen oder einseitigen Egotrips kommt, dann bedeutet es meistens das Aus für eine Beziehung. Denn klarerweise beginnt ein Paar, nach so einem Ausreißer nicht wieder in der Honeymoon Phase. 

Viele reifere Menschen, die bereits seit Jahrzehnten verheiratet sind, sagen, dass sie es lieben und stolz darauf sind, auf diesem Level der Paardynamik angekommen zu sein. Viele finden: “Kommunikation ist das Allerwichtigste – man darf nie aus dem Kontakt gehen, sondern muss miteinander reden!” Oder: „Man muss nicht immer alles hören. Manchmal ist es gut, sich einfach nur seinen Teil zu denken.” Schön, wenn Senioren sagen: “Unser Geheimnis war bestimmt auch, dass wir so viel miteinander erlebt haben. Heute würde ich ihn oder sie nicht mehr hergeben wollen”. 

Nicht alle Beziehungen kommen in dieser fünften Phase an und dürfen diese Sicherheit genießen. Viele Paare gehen vorher auseinander. 

So wie bei einer Präsentation glaube ich, dass auch Beziehungen davon gezeichnet sind, wie sie begonnen haben. Der mahnende Spruch: “Wehret den Anfängen!” wird fälschlicherweise stets mit dem Hitlerdeutschland der dunklen Zeit verbunden, dabei stammt er vom römischen Dichter Ovid und bringt die Sache klar auf den Punkt. Denn: Die ersten Risse in einer Beziehung sind häufig Vorboten auf das später drohende Unheil. Wir hören manchmal schon zu Beginn die Anzeichen für aufkeimende Beziehungsprobleme, doch wir achten zu wenig darauf. Eine meiner Studentinnen sagte nach der Trennung kürzlich: “Am Anfang fand ich seine Eifersüchteleien süß und fühlte mich geschmeichelt. Aber mit der Zeit hat das Misstrauen unsere Beziehung gefressen.” 

Ein andere stimmte ihr zu: “Auch bei mir haben sich letztlich die Trennungsgründe schon in den ersten Wochen abgezeichnet. Seine Mutter machte unsere Beziehung kaputt.” 

Genau, wie bei einer guten Präsentation ist auch das Ende entscheidend dafür, wie man die gemeinsame Zeit in Erinnerung behält. Der Schluss bildet den Rahmen für das, woran wir uns später erinnern werden. 

Dabei sind Trennungen gesellschaftlich tabu. Sie gehören weder in einen Smalltalk, noch eignen sie sich für ein angenehmes Tischgespräch. Eine Trennung ist der Todesfall einer Beziehung und mit Tod mag sich niemand wirklich befassen. Deshalb müssen viele Menschen ihre persönlichen Katastrophen ganz mit sich alleine ausmachen. Natürlich haben sie mit Freunden und der Familie gesprochen, vielleicht half sogar ein Coach oder Psychologe, aber heilen kann man nur alleine. Ausgerechnet die gutgemeinten Ratschläge helfen nicht. Lieber streicht man Sätze, wie: “Du wirst sehen, bald findest Du eine Bessere!” oder “Die Zeit heilt alle Wunden”, oder: “Auch andere Mütter haben schöne Söhne”. 

Es reicht völlig, zu kondolieren: “Das tut mir leid!” 

Themen: RhetorikSicherheitBeziehungenTrennungenPhasenHoneymoonPersönlichkeitsentwicklung
15. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA
Wer sich in Bezug auf die zigtausenden Mini-Entscheidungen aus dem Privatleben selbst beobachtet, der weiß, wo er auch im Job als Führungskraft noch Lernfelder hat. CEO Deines Lebens zu sein hat mit Selbstbeobachtung und nüchterner Manöverkritik dem eigenen Verhalten gegenüber zu tun.
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14. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Tag des Punktes: 15. September

Tatjana war schon früh fasziniert von Punkten. Damit ist sie weltweit gar nicht allein. In der australischen Malerei ist beispielsweise der Pointillismus stark verbreitet und die bunt gepunktete Aboriginal Art gab es bereits vor 80.000 Jahren. Selbst heute noch zieren kleine und große Dots viele Tassen, Handtücher und Digeridoos quer durch das Land. Vom Punkt bis zum Pixel war es allerdings noch ein weiter Weg. 

Auch im Europa von 1889 gab es – als Nachzügler des Impressionismus – eine diesbezügliche Strömung. Paul Signac oder Gustave Cariot sind nur zwei Namen aus dem künstlerischen Reich dieser damals nachgefragten Stilrichtung. 

Ein US-amerikanischer Lehrer hat dann am 15. September 2009 sogar den “International Dot Day” erstmals ausgerufen. Sein Kinderbuch “The Dot” (“Der Punkt: Kunst kann jeder”) hat weltweit Furore gemacht. In amerikanischen Schulen ziehen viele Kinder der unteren Schulstufen an diesem Tag gepunktete Kleidung an. 

Und Peter H. Reynolds hatte recht: Jeder kann einen Punkt malen. Auf seiner Facebookseite des “International Dot Day” erfährt man: Alles begann mit einem Punkt. Heute sind weit mehr als 19,2 Millionen Fans registriert und täglich werden es mehr. 

Fazit: Selbst in vielen Redewendungen tauchen die kreisrunden Symbole auf. Manche Aussagen lassen uns “eckig” werden, wenn es gerade nicht rund läuft, und wir fühlen uns dann völlig unrund: 

  • “Mach mal einen Punkt!” 
  • “Da hast Du einen wichtigen Punkt angesprochen” 
  • “Oje, das ist mein wunder Punkt” 
  • “Es war, wie das Pünktchen auf dem i“ 
  • “Das ist doch der springende Punkt, um den es hier geht.” 
  • “Kannst Du bitte endlich zum Punkt kommen?” 
  • “Dein Vortrag war eine Punktlandung.” 
  • “Sie redet ohne Punkt und Komma.” 
Themen: Tatjana LacknerPunktPointillismusAboriginal ArtPaul SignacInternational Dot DayPeter H. Reynolds
12. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Tatjana schreibt Kolumne für mehrere Magazine. Weiterlesen:

BÖB: September 2022

12. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Paul Peter Buchacher stellt die Fragen auf Cool-Tour. Tatjana im Interview.

SoundCloud: September 2022

9. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Tatjana ist aktuell nicht nur für die politische Gesprächsführung im Einsatz, sondern hier auch für die Liebe:

Café Puls: September 2022