Gefangen in der Meetingfalle

Tappen Sie nicht in Falle 1:

Logorrhö – Sprechdurchfall

„Wer viel spricht, hat viel zu sagen?“ Wohl kaum. Fühlen wir den Präsentatoren weltweit inhaltlich auf den Zahn, wird eines schnell offensichtlich: Sie sind selten Redner und häufig Schwadroneure. Sprache ist lebendig, stetig im Wandel und Abbild der Kultur einer Gesellschaft. Was erzählt die Managersprache unserer Zeit über unsere Kultur?Orientierungslosigkeit geht oft Hand in Hand mit Phrasen und unverständlichen Abstraktionen. Die Mutmaßung liegt nahe, dass so manch einer seine Unfähigkeit hinter möglichst vielen, wichtig klingenden Worten versteckt. Da sind es Anglizismen, deren Bedeutung im Deutschen nur unzureichend definiert ist. Hier werden Zitate vermurkst, Sätze bis zur Unendlichkeit verschachtelt und die Aussage durch Worthülsen verstümmelt. In den Führungsetagen hat man die Kunst perfektioniert, aus Wein Wasser zu machen – selten Trinkwasser. Das Resultat: Auch Prozesse kommen ins Schwimmen. Viele Führungskräfte kommen vor lauter Besprechungen nicht zum Arbeiten, Das „Modern Talking“ im Business versteht jedoch Zeit als kostbare Ware.

Redezeit ist Lebenszeit!

3 Tipps: So bleiben Sie besser in Erinnerung:

Schwungvolle Gedanken fordern frische Formulierungen!

Langweilen Sie Ihre Zuhörer nicht schon am Anfang Ihrer Präsentation mit Zitaten, die bereits Schimmel angesetzt haben. Hüten Sie sich davor, aufgebrauchte Floskeln oder Analogien in Ihren Vortrag einfließen zu lassen. (z.B: „Am Ende des Tages“, „in Zeiten, wie diesen“, „sag ich einmal“, …)!

Wenn schon Power-Point oder Prezi, dann richtig!

Die meisten Präsentationen sind zu klein geschrieben. Textüberladene Charts sind nicht nur unsüffig, sondern auch grafisch unelegant. Sobald das Publikum bemerkt, dass es sich um eine Lesestunde handelt, liest es. Problem: Menschen lesen schneller als sie sprechen – das führt zu Asynchronität. – Arbeiten Sie lieber mit Bildern, Kurzfilmen und Grafiken. Vortragende sollte durch ihre Präsentation, nicht durch die Charts führen! Fazit: Die elektronische Präsentation ist nicht der öffentlich ausgehängte Stichwortzettel für den Vortragenden. Sie dient ausschließlich der Veranschaulichung, damit die Zuhörer Zusammenhänge leichter erkennen. Frei Sprechen ist immer gefragt! Das kann jeder lernen. Lieber kommen Sie auch physisch ihrem Publikum näher!

Meinungsbildung ist wie Essen einkaufen!

Auch unsere Nahrung besteht aus einzelnen Informationen. Wichtig ist immer wieder zu kontrollieren, ob diese Informationen – trotz der Verarbeitung – genug Nährwert und eigene Betrachtungen bieten. Wie bei der unbehandelten Tomate – die sich durch den Industrieprozess und Transport bis zum Fertiggericht „Tomatensuppe“ verändert – verhält es sich mit Informationen. Auch in der Medienindustrie gehen bis zum Rezipienten wesentliche Aspekte verloren.

Auf die Frage: „Wie bilden Sie sich Ihre Meinung?“ antworten die meisten: „Durch Fernsehen, Zeitungen, Internet, Gespräche, etc.“ Meinungsmacher verkaufen ihr Produkt jedoch nicht ausschließlich, weil sie so seriös und objektiv arbeiten. Viele zwingen uns durch tendenziöse Berichterstattung auf den gedanklichen Trampelpfad der Masse. Wer nimmt sich schon die Zeit und kontrolliert die eigenen Informationsquellen, bevor er/sie sich eine Meinung zu einem Thema bildet? Unterscheiden Sie deshalb zwischen primären und sekundären Referenzen! Welche Möglichkeit haben Sie, um an primäre Informationen zu gelangen? Gerade in einer Zeit, in der „Bürger-Journalismus“ oder User Generated Content groß geschrieben werden hat man – eingeschränkt – die Möglichkeit Betroffene (z.B.: in Blogs) selbst zu befragen. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob Sie aus erster Hand erfahren, wie sich eine Geschichte zugetragen hat! Fazit: Meinungen selber „kochen“ ist besser als industriell fertigen lassen.

Verheddert in Falle 2:

Zeitdiebe & Machtspiele

Eine Frage der Unternehmenskultur ist es, dass Meeting wirklich pünktlich zu beginnen. In manchen Firmen ist es unabgesprochene Sitte geworden cum tempore zu starten. Diejenigen, die pünktlich erscheinen fühlen sich missachtet. Die „Zuspätkommeritis“ ist ein fruchtbarer Boden für Machtspiele. Der, der anderen Zeit stiehlt, positioniert sich scheinbar statushoch. Manche bilden sich ein durch regelmäßiges Zuspätkommen auch zu demonstrieren, wie unabkömmlich und viel beschäftigt sie sind. Zumindest in unserem Kulturkreis ist es ein Zeichen von mangelndem Respekt. Bis in die letzte Konsequenz gedacht, ist es auch ein Signal für schlechtes Zeitmanagement.

Kompetenz-Bias in Falle 3:

Fachwissen ist nicht genug

Assoziatives Denken ist Trumpf! Schnell Querverbindungen und thematische Schnittpunkte zu finden, sichert Autoritätspunkte und gesellschaftliche Akzeptanz auf dem Karriereweg. Manche Shootingstars haben schon Statuspunkte verloren, weil andere aufgeweckte Mitarbeiter z.B: beim Mittagsbuffet entlarvt haben, wie einseitig gebildet der – als Highpotential gehandelte – Kollege im wirklichen Leben ist. Wer Kompetenz ausschließlich mit Fachkenntnis untermauert, ist vom Fachidioten nicht weit entfernt.

Fazit: Es ist ein erhebendes Gefühl, hinter politische, philosophische und ökonomische Systeme zu blicken. Zusammenhänge müssen Sie sich erarbeiten, die bekommt man nicht gelehrt. Verstehen heißt schauen und reflektieren. Nur wache Augen lernen. Menschen mit Tunnelblick können nicht diversifizieren. Holen Sie sich deshalb Inspiration & Information außerhalb des eigenen Faches und damit auch jenseits Ihrer Branche. Neue Ideen und Synergien suchen lautet die Devise! Gedankliche Verbindungen und Schnittpunkte mit anderen Disziplinen herzustellen, hält mental beweglich. Leonardo Da Vinci war schließlich auch nicht nur Maler, sondern ebenso Bildhauer, Architekt, Musiker, daneben sogar Anatom, Mechaniker, Ingenieur, Naturphilosoph und Erfinder in der Renaissance. Das italienische Universalgenie gilt zwar bestimmt als Ausnahmeerscheinung, ist aber dennoch ein perfektes Beispiel für vernetztes Denken und Diversifikation. Davon überzeugt, arbeitete auch der englische Priester Isaac Newton. Der Mathematiker konnte das Gravitationsgesetz nur veröffentlichen, weil er außerdem Physiker und Astronom war. Wer sich für Zusammenhänge interessiert wird mit Anerkennung belohnt!