Hochdeutsch ist leichter verständlich

Hochdeutsch war Bildungsziel

Das Kleinhirn ist für das Bewegungsprogramm unseres Körpers zuständig. Das betrifft die Bewegungen von Armen, Beinen und Kopf, aber auch unser Sprechapparat wird dort gesteuert. Nette Komplimente zu unserer schönen Stimme oder der angenehm deutlichen Artikulation verdanken wir dem harmonischen Zusammenspiel dieser Sprechwerkzeuge. Natürlich wird niemand darauf angesprochen, wenn er oder sie schrecklich klingt. Wer aber hörbar schön spricht und durch gut geführte Lautbildung auffällt, der wird dafür gelobt.

In den 1970er Jahren galt Hochdeutsch noch als sprachliches Bildungsziel. Heute ist Hochdeutsch deshalb die Grundlage für gute Erzählsprache, weil uns in einer internationalisierten Welt die vielen Nicht-Muttersprachler besser verstehen können.

Wer nur die Mundart beherrscht macht es sich und seinen deutschsprechenden Kunden oder Kollegen – aus CEE-Ländern beispielsweise – doppelt schwer einfach zu kommunizieren. Wenn zudem der polnische oder slowakische Mitarbeiter besser Deutsch als Fremdsprache spricht, als der eigene Chef in einem ruralen Gebiet, dann ist das sicher kein Statusgewinn für die Führungskraft. Fall- und Grammatikfehler sind ebensowenig Tugenden, wie sprachliche Holprigkeiten.

Verbalmotorik – Technik im Hals

Ein Teil unserer Verbalmotorik ist uns bereits in die Wiege gelegt und die Qualität unserer Sprechwerkzeuge Veranlagung. Zunge, Lippen, Stimmbänder, aber auch unser Gebiss haben wir uns schließlich nicht ausgesucht. Unveränderbar sind sie deshalb noch lange nicht! Genauso, wie täglich Anomalien der Zahnstellung korrigiert werden, kann jeder aus seiner Stimme mehr Volumen herausholen und kräftig am eigenen Sound arbeiten.

Durch professionelles Sprechtraining beispielsweise verbessert sich die Verbalmotorik sofort und persönliche Erfolge stellen sich messbar ein.
Sowohl Fremdsprachen, Schlagfertigkeit und Artikulation sind erlernbar.

Auch den Wortschatz kann jeder erweitern, und treffsicher Argumentieren oder Präsentieren ist ebenfalls eine Frage der Dramaturgie und Routine. Selten sind charismatische Redner fertig vom Himmel gefallen. Genauso wie talentierte Sänger, mussten sie üben. Beide haben verschiedene Techniken ausprobiert, an sich gearbeitet und sich dadurch hörbar verfeinert. Bei beiden gilt aber auch: das stimmliche Material und die Verbalmotorik können durch üblen Lebenswandel, nachlässige Milieusprache und schlechtes Ich-Management stark beeinträchtigt werden.

Wer Jahre hindurch gepresst redet, falsch atmet und sich „Silbenfressen“ oder Füllphrasen angewöhnt, der nimmt sich selbst deutlich wenig wichtig. Warum sollten es in Gesprächen dann andere tun? In einer medial verwöhnten Welt, wo jeder laufend zu Wort kommt, ist es wichtig, die Verbalmotorik fit zu halten. Schließlich wollen wir demografisch immer länger reden und dabei gerne gehört werden.