Klare Sicht in Sydney

Wochenlang haben sich die Nachrichten in Europa überschlagen. Sydney versinke im Rauch. Menschen müssten Masken tragen und die Luft sei in der gesamten Stadt gesundheitsschädiglich.
Zudem hätte man den Hitzerekord aller Zeiten erreicht und jenseits der 48 Grad.

Mit einem sehr mulmigen Gefühl haben wir uns auf einen 20-stündigen Flug gemacht, der, auch laut österreichischer Medien, ins Notstandsgebiet führen sollte. Dazu gab es täglich Meldungen über die Rekordhitze von bis zu 48 Grad.
Wir wollten bereits umbuchen, aber trotz all der Horrormeldungen ist es nicht mehr gegangen. Zum Glück!

In Sydney angekommen haben wir bei 18 Grad gefroren und waren erstaunt, dass weder Smog, noch rauchender Nebel auf uns wartete – stattdessen klare Sicht.

Wir waren kaum ausgerüstet für die niedrigen Temperaturen, also mussten wir uns erst einmal mit Hoodies eindecken. Auch am Tag darauf hat sich weder an den 18 Grad, noch an der klaren Sicht etwas geändert.
Die Touristen saßen auf Hop-On-and-Off Bussen, Jogger und Radler überall und vom großen „Notstand“, der hier auch laut österreichischen Zeitungen verhängt wurde, keine Spur.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Wir sind die Brände von der Ostküste des Kontinents bis zum acht Stunden entfernten Western Australia überflogen und die Schäden sind verheerend für Mensch, Tier und Umwelt. Die Auswirkungen dieser Katastrophe wird wohl sogar mein Vater im entfernten Südamerika bald spüren. Die Sensationen am anderen Ende der Welt sind schlicht nicht immer punktgenau recherchiert. Fazit: Sydney rauchfrei!

Ist der Umweltschutz schuld?

Ich habe mich mit Einheimischen unterhalten und paradoxer Weise machen viele die Umweltpolitik für die Brände verantwortlich. Früher gab es angeblich wichtige Buschrodungen. Ganze Korridore wurden als „Brandstopper“ zur Sicherheit abgeholzt, damit das Feuer lokal besser eingedämmt werden konnte. Im Zuge des Umweltschutzes hat man diese Schlägerungen eingestellt und keine Schneisen mehr im Busch gerodet. Die schlimmen Brände führen viele auf diese Fehlentscheidung zurück.