Netzwerke – moderne „Freunderlwirtschaft“?

Was genau ist der Unterschied zwischen den modernen Netzwerken und der guten alten „Freunderlwirtschaft“?

Früher hat man (vor allem Mann) den Kollegen aus der Seilschaft oder Studentenverbindung (oder später bei den Bilderbergern, Freimaurern, Rotariern und Co) um einen Gefallen gebeten. Heute gibt immerhin jeder Dritte bei der Bewerbung an, über ein „gutes Netzwerk“ zu verfügen. Was bedeutet das konkret? Wer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, der verliert lediglich Zeit und gewinnt nichts und niemanden. Wie viel ist das eigene Netzwerk wert? Kenne ich überhaupt genügend Meinungsbildner und Gestalter aus den klassischen drei Network-Bereichen?

 

Netzwerke waren von jeher nur für denjenigen sinnvoll, der selbst auch etwas anzubieten hat.

Operative Netzwerke

unterstützen uns bei der täglichen Arbeit. Dafür brauchen wir das Team, direkte Vorgesetze, interne Entscheidungsträger auf der gleichen Ebene, die Projekte unterstützen können. Die operative Beziehungspflege ist notwendig, um anstehende Aufgaben erfolgreich zu erledigen. Durch informelle Gespräche schaffen wir täglich die Basis für gemeinsame offizielle Entscheidungen.

Strategische Netzwerke

hingegen verbessern unsere Karrierechancen und tragen auch zur persönlichen Entwicklung bei. Es ist vorteilhaft, den Kontakt zu Meinungsbildnern zu suchen oder sich auch extern um gute Branchenbeziehungen zu kümmern. Schließlich gibt es Menschen, die inspirierender sind als andere und unseren Gedankenhorizont erweitern. Nicht nur, wenn wir den nächsten Karriereschritt planen, sind diese Gesprächspartner wertvoll! Feedback und Austausch sind auch dann bereichernd, wenn es darum geht neue Ideen zu entwickeln. Oft ist es sinnvoll Informationen aus anderen Branchen oder Erlebnisbereichen zu erhalten. Dadurch geht Blick für die gesellschaftliche Veränderung und Bedürfnisse nicht verloren. Nur wer dem Puls der Zeit einen Takt voraus ist, kann Visionen entwickeln und aktiv gestalten.

Freunde

sind für manche Menschen sogar unerlässlich. Den eigenen Freundeskreis darf man aber auch nicht überschätzen. Das präzise und qualitativ hochstehende, ehrliche und lösungsorientierte Feedback bekommen wir auch in diesem Kreis nicht immer. Natürlich sind Freunde eine feine Unterstützung in schwierigen Lebensphasen. Manche erleben mit Freunden freudvolle Momente und können gemeinsam Kraft und Energie mit ihren Buddies tanken. Andere ziehen da die Kernfamilie oder die erweiterte Großfamilie vor. Doch alleine durch die gedankliche Reflexion mit einem Freund können wir danach selber wieder Lösungen und neue Sichtweisen entwickeln. Immer öfter zählen deshalb auch Coaches oder Mentoren zum strategischen Netzwerk. Der offene Austausch mit Vertrauenspersonen gehört zur persönlichen Hygiene wie Zähneputzen. Hier geht es sicher nicht darum, möglichst viele Menschen um sich zu scharen, sondern vielmehr um die Qualität der Beziehung und die Kompetenz der Personen. Das eigene Ressourcenteam ist schließlich die Grundlage für ein gutes Netzwerk.

Fazit: Vorsicht: Jeder Mensch kennt jeden anderen Menschen über sechs Ecken! Vertrauen entsteht nicht durch den Austausch von Visitenkarten, auch nicht dadurch, dass man vermeintlich wichtige Personen anbaggert oder mit seinen großartigen Kontakten prahlt. Auch lassen sich nicht alle Menschen gerne für fremde Machenschaften vor den Karren spannen. Nicht jeder hat Lust darauf, beispielsweise um Geld angepumpt zu werden. Oder als Sponsoring-Partner der superneuen Idee angekeilt werden oder beim Crowdfunding mit zu müssen. Das Beziehungskonto muss für beide Seiten im Plus sein. Ein guter Networker weiß genau, was er selbst zu bieten hat und was er von seinen Kontakten erwartet kann. Er spürt daher, welche Informationen für wen in seinem Beziehungsgeflecht hilfreich sind. Wer sich nur meldet, wenn er etwas braucht, riskiert im besten Fall vergessen zu werden, im schlimmsten Fall einen schlechten Ruf.

Gerade Medienarbeiter und Journalisten wollen nicht unbedingt als mediale Zerstäuber für die Pressearbeit oder das Produktmarketing von Bekannten verwendet werden.