Redewendungen aus längst vergangenen Zeiten

Redewendungen aus längst vergangenen Zeiten

Sprache ist immer einem zeitlichen Wandel unterlegen. Ich finde es schade, wenn junge Menschen keine Ahnung mehr haben, was damit gemeint ist, “wenn man für jemanden in die Bresche” springt.

Diese sprachlichen Relikte längst vergangener Tage gehören zur Allgemeinbildung, auch wenn man heute nicht mehr “in der Tretmühle gefangen ist”.

Ich habe mir deshalb vorgenommen, drei dieser Redewendungen näher zu beleuchten und sie wieder in Erinnerung zu rufen. Der große Vorteil dieser idiomatischen Wendungen: Sie sind meistens recht bildlich und metaphorisch. Dadurch werden Aussagen leichter im Gedächtnis behalten, aber eben nur, wenn man sie versteht. Wenn nicht, dann kommt einem “das alles spanisch vor”.

“Für jemanden in die Bresche springen”

Einfach übersetzt bedeutet es, jemanden in einer schwierigen Situation beizustehen, aber woher kommt diese Formulierung?

Viele mittelalterliche Redensarten haben ihren Ursprung im Militär. Auf Französisch bedeutet “brèche” so viel wie Spalt bzw. Öffnung.

Wenn früher Burgen erobert wurden, dann haben die Angreifer versucht, ein Loch in die Mauer zu rammen. Aus Sicht der Verteidiger war nun höchste Gefahr im Verzug. Dieses Loch musste schnell gestopft werden, bevor die Eindringliche in Scharen hereinfielen und alles in Brand setzen konnten. Bevor Material herbeigekarrt werden konnte, “musste jemand in die Bresche springen”. Zu Beginn des feindlichen Angriffs war der Spalt noch sehr klein und oft konnte ein Ritter, “der in die Bresche sprang”, das Schlimmste noch abzuwenden.

“In der Tretmühle sein”

Bereits in der Antike gab es menschliche und tierische Tretmühlen. Sklaven, aber auch Ochsen, Pferde und Hunde, hielte ein Tretrad am Laufen. In kreisenden Bewegungen wurde diese mechanische Vorrichtung für den Brunnen- und Bergbau verwendet. Bis ins 18. Jahrhundert gab es den Beruf des Windknechtes, der für seine gefährliche Arbeit guten Lohn bekam. Es gab schließlich noch keine Kräne. Für den Bau der großen Kathedralen, brauchte man diesen mechanischen Kranantrieb. Im Zuge der Kolonialisierung wurden später wieder Sträflinge in Tretmühlen und Getreidemühlen eingespannt. Die Arbeit war so unmenschlich hart, dass 1850 Sträflinge den Tod am Galgen vorgezogen haben sollen.

Das kommt mir spanisch vor”

Viele unserer heutigen Redewendungen stammen aus dem 15. Und 16. Jahrhundert. Diese lässt sich sogar konkret einer Person zuordnen. Sie stammt von Karl dem V. (1500-1558). Seit 1516 war er König von Aragon und von Kastilien. 1519 wurde er zum deutschen Kaiser gekrönte und führte alsbald in Deutschland einige neue Sitten und Regeln ein. Die spanische Inquisition, eine gerichtliche Verfolgung der Ketzer, war nur eine Maßnahme davon. Seine deutschen Untertanen waren bereits zum größten Teil Anhänger Luthers und standen diesen Neueinführungen misstrauisch gegenüber. Vieles kam ihnen völlig zurecht “spanisch vor”.

Witzig ist auch, dass der in Gent geborene und in Brüssel aufgewachsene Karl, zwar mäßig Niederländisch und Französisch sprach, aber gar nicht Spanisch.