Rhetorische Regnose rockt!

28. September 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Zuletzt hat mich wieder eine Kundin gefragt: Tatjana, ist es nicht irre mühevoll gleich drei Podcast Kanäle am Laufen zu halten? Ja, es ist arbeitsintensiv – und wundervoll zugleich. Besonders “Talk mit Tatjana” braucht akkurate Vorbereitung und das Studium der jeweiligen Lektüre rund um meine Podcast-Gäste und ihre Bücher. 

Auf der anderen Seite habe ich von modernen Denkern wie beispielsweise Konrad Paul Liessmann, Matthias Horx und Renée Schroeder schon so viel gelernt, was für meinen zweiten Podcastkanal “Rhetorik: Tipps & Tools mit Tatjana” häufig themengebend und ideenanstoßend war. Zuletzt ging es etwa um das von Mathias Horx beschriebene “Prinzip der Regnose”, an das mich im Gespräch Historiker Philipp Blom erinnerte. 

Prognose: Wir überlegen aus dem Hier und Jetzt, wie sich ein zukünftiges Szenario abspielen könnte. Wir wagen den Blick in die Zukunft. Bei der Regnose hingegen gehst Du gedanklich vom bereits erreichten Wunschzustand aus und überlegst, wie konkret Du bis hierhin gekommen bist. Damit schlägt man düsteren Zukunftsängsten und geistigen Denktabus ein Schnippchen. 

Für die Rhetorik kommt das einer Art Best-Case-Überlegung gleich. Angenommen, der Chef stimmt meinem Vorschlag in der kommenden Besprechung zu. Was hat er bis zu seiner positiven Entscheidung von mir an bereitgestellten Daten, Zahlen und Fakten gebraucht? Welche Argumentationsstrategie hat ihn zudem emotional am besten erreicht? 

Dabei geht es nicht darum, sich die Welt naiv rosig zu träumen, sondern die Regnose trainiert unser Bewusstsein dafür, was Menschen und Situationen tatsächlich benötigen. Wir erkennen welche Unterlagen hilfreich sind und – im Gegensatz dazu –welche Beteuerungsarien wir besser weglassen. Horx spricht hier von einer klaren Erkenntnisschleife. Wohingegen bei der Prognose mehr Ängste und Gefahren auf dem gedanklichen Weg in die Besprechung mit dem Chef lauern: “Was, wenn er feindliche Zuflüsterer hat?”, “Wer könnte mir die Idee abstechen?” Der Blick in die Zukunft wirft stets jede Menge Fragen auf. 

Ich empfehle für die optimale Vorbereitung auf eine wichtige Verhandlung, Bewerbung oder ein anstehendes taffes Meeting beides – sowohl die regnostische als auch die prognostische Herangehensweise

Fazit: Die Worst-Case-Vorbereitung ist essentiell. Denn klar sollten wir nicht einfach “vom besten” ausgehen, sondern uns schon im Vorfeld gedanklich mit möglichen Gefahren befassen. Auf der anderen Seite entwickeln Menschen tatsächlich immer weniger Ideen, weil ihnen die Lösungskompetenz abhandenkommt. Hier ist die Regnose ein probates Mittel, um rückwärts vom bereits erreichten Ziel alle nötigen Schritte zu benennen, die zum heutigen Ausgangspunkt “zurück” führen. Rhetorisch betrachtet kannst Du auf diese Weise sogar die Verhinderungs-AG im Meeting ausschalten. Es sind “die üblichen Verdächtigen”, die bei jedem neuen Vorschlag mauern mit: “Das ist der falsche Zeitpunkt”, “Wird sich nicht umsetzen lassen” oder “Wir werden fix scheitern”. Gibst Du jedoch das positiv erreichte Ziel für alle als gegeben vor, dann nimmst Du auch die Motzer auf die Gedankenreise mit und skizzierst eine klare Argumentationslinie “zurück” ins heute.  

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