Facebook richtig einsetzen

Es ist populär auf Facebook hinzuhacken. Datenklau, Cybermobbing, Shitstorms und vielerorts unklare Rechtslage samt Online-Einbahnen. Stimmt alles! Ängstigt auch mich. Ich kann wenig mit Haustieren und Embryos, die bereits Profile haben, anfangen.

Alleine in Österreich haben mehr als 80.000 Haustiere auf Facebook ein Profil.

Kinder, die vor dem 13. Lebensjahr unerlaubterweise einen Account eröffnen, verstoßen klar gegen die Mitgliedschaftsregelung. Ich habe meiner Tochter erst mit 15 Jahren erlaubt eingeschränkt dabei zu sein. Das gilt auch für meinen kleinen Sohn. Warum? Über Jahre kleben die digitalen Sünden im Netz der Google-Giftspinne und warten darauf, entdeckt zu werden. Mobbing tut dann weh, ist peinlich und wird lange konserviert. Das alles ausgerechnet in einer digitalen Welt, in der man über ein tadelloses Online-Profil verfügen sollte und gemocht werden will. Bei besonders jungen Damen beispielsweise gewinnt man auf Facebook den Eindruck: Sie brauchen dringend mehr Kleidung und vor allem einen Duden! Viele lassen ahnen, wie kaputt ihr „Ich“ im feschen Bikini bereits ist.

Früher war Kontakthalten schwieriger

Mein Vater in Bolivien hat Facebook, Freunde in Lissabon haben Facebook, Radiokollegen in London ebenso, … . Erst seit wir auf Plattformen miteinander vernetzt sind können wir unmittelbar teilhaben am Leben des anderen. Briefe & Fax waren in der guten alten Zeit zwar eine Möglichkeit , aber keine äquivalente Alternative um engen Kontakt zu halten. Natürlich haben wir über 11.000 Kilometer hinweg auch versucht in Verbindung zu bleiben, doch seit es WhatsApp und vor allem Facebook gibt haben wir laufend Kontakt. Wie wohltuend! Ich sehe auf den Bildern, wie viel Spaß meine Geschwister bei der letzte Geburtstagsfeier hatten und muss mir die Highlights nicht erst drei Wochen später in knappen Briefzeilen erzählen lassen. Das meiste habe ich früher wahrscheinlich gar nicht erfahren.

Viele User nützen diese Plattform weltweit um sich über Grenzen und Kilometer hinweg gedanklich auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Eine Milliarde Menschen haben Mark Elliot Zuckerberg zum bislang jüngsten Selfmade-Milliardär gemacht.

Wäre Facebook ein Land, dann hätte es mit einer Milliarde Einwohnern bereits so viele „Bürger“ wie China.

Dort selbst aktiv ein Profil zu bewirtschaften, Gedanken zu säen und zeitnahes Feedback dafür als Ernte zu bekommen, ist durchaus befriedigend. Wenn sich auch andere interessieren für das eigene Leben und Anteil nehmen am bebilderten Tagebuch, schafft das Verbindungen und hinterlässt ein gutes Gefühl. Oft wollen nicht einmal unsere Eltern so genau wissen, wie der Urlaub heuer war oder was am neuen Kinofilm gefallen hat und warum uns aktuelle Lebensthemen auf die Seele schlagen.

Facebook spart Echtzeit

Der größte Benefit bei Facebook ist vor allem, dass wir Lebenszeit sparen. Wir erhalten schnell Rückmeldung zu unseren augenblicklich relevanten Themen und verlieren kaum Zeit, da wir all diese Menschen, mit denen wir „befreundet“ sind,  nicht erst persönlich treffen müssen. Wir brauchen uns im Smalltalk-Modus nicht erst höflich nach deren Kindern erkundigen oder im dialogischen Austausch die detailverliebte Urlaubsschilderung der Anderen ertragen. Persönliche Auseinandersetzung ist schließlich nicht immer nur erfüllend. Es kann auch verlorene Lebenszeit bedeuten, wenn „Frau Maier gar nicht mehr aufhört zu erzählen“. Im Internet setzt man lieber ein positives Signal. Wir „liken“ das Foto der Meiers in Bibione oder eine andere Aktivität in deren Chronik. All das  kostet uns maximal zwei Lebensminuten. Der Grillabend hingegen hätte live einige Stunden gekostet und inspirierenden Gedankennektar nicht immer garantiert. Komfortabel ist außerdem, dass wir uns zu einem Zeitpunkt unserer Wahl mit „Freunden“ auseinandersetzen können. Wie oft hat man gar keine Lust auf „die Müllers“, aber die stehen eben heute auf dem Plan und ausgemacht ist ausgemacht. Auch hier ist Facebook perfekt. Den Müllers ist schließlich nur wichtig, dass wir ihre Fotos von der Bergtour betrachten, wann ist nebensächlich. Schließlich suchen wir uns lieber selbst aus, wann wir Fotos anschauen. Dann kommentieren wir auch gerne mit anerkennenden Worten, wenn was gefällt.

Im Urlaub: FB ist die beste Zeitung

Gerade in der Urlaubszeit – abgeschnitten von internationalen Medien – erfahre ich überall auf der Welt, welche politischen Trends sich gerade entwickeln und worüber anderswo diskutiert wird. Ich lese außerdem, was sich im privaten Leben meiner Lieben in Bolivien, München, London oder Lissabon tut. Denn: Wer seine Familie auf dem Globus verstreut hat, ist dankbar Anteil nehmen zu können, obwohl Zeitverschiebung oder Entfernung trennen. Die Funktion der Übersetzung auf facebook lässt mich nachvollziehen womit sich beispielsweise mein Vater gerade wisssenschaftlich beschäftigt und welche Themen er an der Universität lehrt.

Viele Informationen hab ich auf Facebook überhaupt aus erster Hand erfahren. Zuletzt leider auch den Tod eines liebgewonnenen Radiokollegen, der mich vor mehr als 20 Jahren auf Ö3 ins Nachtprogramm eingeschult hat. Soziale Medienfreunde haben mich informiert und gemeinsam hat man sich mit einigen Zeilen Trost zugesprochen und an gemeinsame Erlebnisse erinnert. Das hat gut getan. In den Zeitungen, der APA oder anderen Online-Diensten war erst Tage später darüber zu lesen.

Fazit: Ich mag Facebook vor allem deshalb, weil es wie eine auf mich zugeschnittene Zeitung funktioniert. Unter meinen Freunden sind eben keine Katzen-Poster oder Freizeitgourmets, sondern vielmehr Journalistenkollegen und jede Menge interessanter Denker, die irgendwo in fernen Ländern leben, forschen und veröffentlichen. Daran nehme ich gerne Anteil und gelegentlich „like“ ich, was mich begeistert.