Sprachliche Präzision beginnt im Kopf

Was braucht der charismatische Redner? Die passenden „Wörter“ oder die richtigen „Worte“?
 
Und da geht es schon los: Wer diesen feinen Unterschied nicht erkennt, der wird in gebildeten Kreisen recht schnell belächelt. Gefragt werden wir schließlich nach unseren „Passwörtern“, nicht nach „Passworten“. Auch beim Scrabble sind es „Wörter“, die wir legen. In der Präsentation oder im Patientengespräch fehlen uns dann hoffentlich nicht die „Worte“. Ergo: Einzeln aufgelistete Wörter sind eben noch keine großen Worte wie Zitate oder Redewendungen. Unklar bleibt, warum ausgerechnet die Mehrzahl von „Sprichwort“ richtigerweise „Sprichwörter“ heißt und es sich nicht um „Sprichworte“ handelt.
 

Weder „dasselbe“, noch „das gleiche“

Wer über einen großen Wortschatz verfügt, der hat neben bunten Verben und bildhaften Vergleichen auch sprachliches Feingefühl im Gepäck. Der Sprachversierte kennt vor allem die unterschiedlichen Bedeutungen: „Anscheinend“ (allem Anschein nach) ist eben nicht gleichbedeutend mit „scheinbar“ (nur zum Schein) und „schwer“ ist definitiv nicht „schwierig“. Man kann eine Sache „leicht“ oder „schwer“ nehmen, aber sicher nicht „schwierig“. Dafür gibt es vereinzelt „schwierige Köpfe“ (komplizierte Menschen) in Österreich, nicht alle haben vom Punsch trinken einen „schweren Kopf“ (Brummschädel).

Zahlen, Ziffern und Lösungen

42 ist eine „Zahl“, die beispielsweise das Alter beschreibt. Sie besteht jedoch aus zwei „Ziffern“ (nicht Zahlen), nämlich 4 und 2. Wir leben im Zeitalter der Lösungskompetenz. Zu beachten ist: eine „Alternative“ bietet bereits 2 (!) Lösungsmöglichkeiten. Wer Ihnen daher 2 Alternativen vorschlägt, behauptet 4 (!) Lösungswege parat zu haben. Prüfen Sie es nach!
 
Wenn man über all diese Sprachfinessen nachdenkt, dann tut man das umsonst (gratis), aber hoffentlich nicht „vergeblich“. Gerade im täglichen Training fällt mir auf, dass Kunden gerne Wörter verwechseln: Sie verwenden „dadurch“, obwohl sie „nachdem“ meinen. „Dadurch, dass sie mich angerufen hat…“ ist falsch und heißt richtig: „Nachdem sie mich angerufen hat…“. Genauso verhält es sich mit „während“ und „wohingegen“. „Unbeschadet“ und „unbeschädigt“ sind ebenso Wörter, die in den Medien regelmäßig vertauscht werden. Ganz ähnlich wie Artikel, die einen ganz wesentlichen Unterschied machen können: „Der Verdienst“ ist die Gehaltszahlung, aber „das Verdienst“ ist der Orden. Die Thematik um „das Schild“ und „der Schild“ lockte jüngst immer wieder Journalisten in die Falle. So stand in Tageszeitungen, dass Gaddafi einst „Häftlinge als menschliche Schutzschilder“ gegen Angriffe der Nato-Truppen verwendet hatte. Außerdem wurde berichtet, dass Kosmonauten an ihrer Raumstation „Schutzschilder gegen Weltraumschrott“ angebracht haben. Und wie oft mussten wir lesen, dass „das Hitzeschild“ des Space Shuttles beschädigt ist? Wir sollten die beiden Wörter lieber sauber trennen: „Der Schild“ war ursprünglich ein am linken Arm getragener Schutz zur Abwehr von Hieben und Stichen, also ein Kriegsgerät. „Das Schild“ ist hingegen eine Tafel, eine Platte, eine Vignette mit einer Aufschrift; auch das Straßenschild gehört hierher.
 
Reflexiv um jeden Preis? „Ich bin mir sicher“ ist ebenso unschön wie falsch. Schließlich funktioniert auch dieser Satz nicht: „Ich bin dir sicher“. Gleiches gilt für „Ich denke mir (ich denke dir?) …“. Lieber verzichten wir also auf das „mir“.
Was meint der Arzt, wenn er ruft: „Frau Huber „möchte“ zu mir ins Behandlungszimmer 3 kommen!“ „Mag“ Frau Huber nun oder sollte sie besser „mögen“. „Möchten“ und „mögen“ sind ebenfalls kleine Stolpersteine.
 
Fazit: Es sind die Kleinigkeiten die den guten Redner ausmachen.

1 Antwort zu “Sprachliche Präzision beginnt im Kopf”

13. April 2019 um 16:26, Elisabeth sagt:

Genial 👍