Prokrastination – der unsichtbare Karrierekiller

Leiden Sie an Prokrastination?

Aufschieberitis“ oder Mañana-Krankheit wird sie oft genannt, die Störung, anstehende Aufgaben nicht sofort zu erledigen, und ihnen stattdessen mit notorischer Vermeidung entgegen zu treten. Jeder von uns hat sich schon einmal mit unwichtigen Tätigkeiten abgelenkt, obwohl wir für die Prüfung hätten lernen sollen. Auch die Vereinbarung des leidigen Arzttermines gehört dazu. Was im Englischen übersetzt wird mit „procrastination“ bezieht sich weltweit auf die Kunst des Verschleppens in Bezug auf Tätigkeiten, die jetzt keinen Spaß machen. Die Karriere startet erst gar nicht, wenn der „Now-Habit“ unterdrückt wird und die Bewerbung beispielsweise zu spät geschrieben wird. Anstattdessen beschäftigt sich der Bewerber lieber mit Buchhaltung machen, Kasten ausmisten, etc.

Experten unterscheiden deutlich zwischen aktiven und passiven Prokrastinierern: während ersterer den Zeitdruck offenbar braucht, um sich zu motivieren, leiden letztere stärker unter ihrem Unterlassungsverhalten.

Dabei ist Prokrastination ein altbekanntes Phänomen. Der Begriff leitet sich vom lateinischen pro = „voraus“ und cras = „morgen“ ab. Bereits der Römer Cicero (106 – 43 v. Chr.) benutzte das Wort vor mehr als 2.000 Jahren. Von ihm stammt auch der Ausspruch „Tarditas et procrastinatio odiosa est“ – also: „Langsamkeit und Aufschieben sind fürchterlich!“

Faulheit oder Krankheit? Entgegen dem verbreiteten Vorurteil vergeuden Menschen, die prokrastinieren, ihre Zeit nicht mit Faulsein. Sie mähen den Rasen, sortieren die Kleidung, antworten auf E-Mails – sie machen lauter mehr oder weniger nützliche Kleinigkeiten, aber eben nicht das was dringend ansteht. Unter den Betroffenen finden sich sogar Perfektionisten. Wer alles hundertprozentig richtig machen will, hat naturgemäß Sorge den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Frustration, schlechtes Zeitmanagement und Fehleinschätzungen der eigenen Fähigkeiten sind häufig Begleiter. „Prokrastis“ erkennt man an ihrer Kommunikation und ihren Ausreden: „Bevor ich mit dem Bewerbungsschreiben anfangen kann, muss ich mich erst um einen Computerspezialisten kümmern, der meinen PC repariert.“

Führt die „Aufschieberitis“ zu anhaltender psychischer Belastung, brauchen die betroffenen eine spezielle Verhaltenstherapie. Viele glauben von sich „aus eigener Kraft“ wieder Prioritäten setzen zu können und offene Punkte auf der To-Do-Liste in Angriff zu nehmen – oft ist dem aber nicht so. Die Arbeitsqualität leidet darunter, der Respekt durch andere fehlt, da sich die Unzuverlässigkeit mittlerweile auch im Kollegenkreis herumgesprochen hat. Schlicht: die Karriere steht.

Erste Hilfe: ALPEN-Methode Aufgaben aufschreiben: Was möchte ich heute erledigen? Länge einschätzen: Wie viel Zeit wird diese Aufgabe beanspruchen? Pufferzeit einplanen: Verplanen Sie höchstens ein Drittel Ihrer Arbeitszeit! Entscheiden: Beim Erledigen Prioritäten setzen, eventuell kürzen oder delegieren. Nachkontrollieren: Was habe ich erreicht? Unerledigtes für den Folgetag vormerken.