Woran Podcasts scheitern?

Woran Podcasts scheitern?

1) Wenn der Hörer nicht bedient wird …

Hörer lieben Regelmäßigkeit. Jemand, der nur alle heiligen Zeiten einen Klangbeitrag liefert, der bekommt keine Fanbase zusammen. Podcast-Inhalte müssen gut strukturiert sein und dem Zuhörer einen klaren Mehrwert bieten. Eigenlobhudelei überzeugt nicht. Fade Interviewpartner ebenso wenig. Besonders Anfänger vergessen vor lauter Ehrfurcht zum Interviewgast, was die Hörer interessiert. Niemand will beim ungeschickten Smalltalk zuhören oder einer Schleimerei beiwohnen, sondern wir sehnen uns nach spritziger geistreicher Unterhaltung, die Antworten auf den Punkt bringt. Der Hörer ist der Star, nicht der Gast!

2) Wenn es “zum Davonlaufen” klingt …

Inhaltlich sind viele der Podcast-Newcomer erstaunlich fit. Leider sind einige von ihnen stimmlich dünn und sprachlich grausam. Grammatik- & Fallfehler sind nur ein Side Dish, der mancherorts unfreiwillig mitgeliefert wird. Nuschelei hinter dem Mikrofon, Fehlbetonungen und artikulatorische Behäbigkeit sind deshalb ärgerlich beim Zuhören, weil sie unnötig sind. Schließlich sollte jeder seinen Text durchgesprochen haben. Einige der Top-Podcaster kommen deshalb in die Schule des Sprechens, um sich sprechtechnisch checken zu lassen und Interviews sinnvoll zu straffen.

Sprechtechnik, Textauflösung, Modulation und Interview-Skills kann jeder lernen. Geübt wird eben nicht im Konzert vor Publikum!

3) Wenn das Sounddesign nervt …

Am Beginn hört man oft ein musikalisches Intro. Das sollte die Menschen nicht verschrecken und muss deshalb gut ausgesucht sein. Für die eigene Kennmelodie eignet sich psychedelische Musik ebenso wenig, wie Aggro-Punk . Einige Podcasts finden sich im Netz die entweder kein Sounddesign überlegt haben oder eines, das so lahm ist, dass es nicht zum Zuhören verführt.

Später im Text bieten sich kleine Jingles oder andere Klangelemente an, um lange Texte besser zu strukturieren. Reines Gelaber und Buchstabenwald nerven ebenso, wie nervöses Gepiepe nach jedem Hauptsatz. Die Dosis macht auch hier das Gift.

Mir ging es beispielsweise bei den ersten Podcasts so, dass ich zu viele “Stinger” (akustische Klangtrenner) im Einsatz hatte. Das hat mich beim Probehören selber genervt. Die On-Air-Fassung ist dementsprechend reduziert.

Vor wichtigen Tipps oder spätestens beim Fazit sind Stinger schon sinnvoll. Sie helfen dem Hörer, die Kernbotschaft zu behalten.

4) Wenn die Tipps fehlen …

Gerne höre ich Podcasts. Gerade bei gesprochenen Ratgebern bin ich erstaunt, wie oft die wertvollen Tipps schlicht fehlen. Gefragt sind keine Kalendersprüche oder Stehsätze! Hörer sollten immer serviciert werden. Ein guter Tipp besteht aus der 3-B-Regel:

  • einem knackigen Beispiel
  • der fachlichen Begründung und
  • einem Beweis für die eigene These.

5) Wenn die Länge nicht stimmt …

Bei mir hat sich bewährt in zwei Podcast-Kanäle unterschiedliche Inhalte zu reichen:

“Talk mit Tatjana” ist ein Interview-Format von rund 30 Minuten. Meine Gäste bekommen Wochen vor unserem Gig ihre Fragen gemailt. Sie erscheinen vorbereitet und dreschen keine Allgemeinaussagen. Dadurch bleibt ausreichend Zeit, weitere Impulsfragen zu stellen und Meinungen auszuloten. Aus dem Vorgespräch wissen alle: Je konkreter und bildhafter Antworten und Beispiele sind, umso lieber ist es meinen Zuhörern und mir.

In „Tatjana: Rhetorik, Tipps & Tools“ sind die Podcasts kürzer und jedes Kommunikationsthema garantiert Coachingtipps. Warum kürzer? Es ist anstrengender sich auf konkrete Schlagfertigkeitstechniken zu konzentrieren und gleichzeitig mitzudenken, wie man sie in den Alltag integriert. Diese Beiträge dauern zwischen 5-10 Minuten und damit bei den vielen hundertfach erprobten Tipps und witzigen Beispielen niemand mit sandigen Fingern auf seinem Handy navigieren muss, gibt es die Podcast Summer-Compilation: “Tatjana 2 Go”!

Der Vorteil für meine Hörer: Sie bekommen Wissenswertes rund um Rede-Design und Gesprächsführung „auf die Ohren“ und dank der Summer-Compilation, können sie gleich einige Episoden auf einmal anhören.

6) Wenn die Reichweite schwächelt …

Ich selbst werde oft zu Podcast-Interviews eingeladen. Mal geht es um politische Analysen, dann wieder um Trends in der Kommunikation. Das geniale an Podcasts ist, dass man sie herrlich für die sozialen Medien nutzen kann, unabhängig davon ob man den Link direkt auf Facebook, LinkedIn, Xing & Co hochlädt oder in der eigenen Instagram-Story eine Ankündigung bastelt. Gerne integriere ich die Links zu den Podcast-Publisher auch im eigenen Blog. Immer geht es um: hören und gehört werden!

Die Reichweite lässt sich leichter vergrößern, wenn beide ihre sozialen Netzwerke bedienen: der Podcast-Host UND sein Gast. Natürlich stelle ich meinen Interviewpartnern ebenfalls die Links auf Apple iTunes, Podigee, Radio Österreich, der Soundcloud oder Spotify zu Verfügung. Wie in der Physik, so gilt auch hier: doppelter Antrieb, doppelte Kraft voraus!